09.08.2016

Rheumatologie im Umbruch?

Wie kann ein dauerhaftes Nachlassen der Krankheitsbeschwerden (Remission) erreicht werden? Diese und weitere Fragestellungen standen auf einem Symposium anlässlich des 11. BDRh-Kongresses in Berlin im Mittelpunkt.

Der therapeutische Horizont in der Rheumatologie hat sich in den letzten Jahren maßgeblich erweitert, ein dauerhaftes Nachlassen der Beschwerden (Remission) wird bei manchen Patienten leider trotzdem noch nicht erreicht. Wie wird Remission heute definiert, wie kann sie erreicht werden und wie können Ärzte der zunehmenden Bedeutung patientenrelevanter Endpunkte (Patient Reported Outcomes, PROs) gerecht werden? Diese und weitere zentrale Fragestellungen wurden im Rahmen eines Symposiums anlässlich des 11. BDRh-Kongresses in Berlin beleuchtet.

„Neben einer verbesserten Funktionskapazität und Schmerzreduzierung geht es auch darum, den Patienten eine Perspektive für eine anhaltende Remission zu bieten", erläuterte Prof. Dr. med Jörn Kekow aus Gommern. Dem Rheumatologen steht hierfür derzeit eine Vielzahl konventioneller DMARDs (Disease Modifying Anti Rheumatic Drugs) und Biologika zur Verfügung. „Es bleibt jedoch die Qual der Wahl, in welcher Reihenfolge Therapeutika eingesetzt werden und welche Entscheidung bei welchem Patienten die richtige ist", beschrieb Prof. Dr. med. Torsten Witte, Hannover. Eine große Herausforderung bleibt die Remission. „Bei fast einem Drittel aller RA-Patienten lässt sich die Krankheit trotz der aktuellen Therapie nicht unter Kontrolle bringen", betonte Prof. Witte.

Grund zur Hoffnung geben die so genannten Januskinasen-Inhibitoren, die sich als Vertreter einer neuen Substanzklasse der krankheitsaktivitätsverändernden Rheumamedikamente (targeted synthetic Disease Modifying Anti Rheumatic Drugs, tsDMARDs) zur Therapie von Rheumatoider Arthritis (RA) und anderen entzündlichen Erkrankungen derzeit aber noch in der Entwicklung befinden. Januskinasen (JAK) sind intrazelluläre Enzyme, die ein Signal aus dem Äußeren der Zelle intrazellulär bis zum Zellkern weiterleiten. Im Gegensatz zu den meisten Biologika, die einen einzigen entzündungsfördernden Botenstoff (ein Zytokin) extrazellulär binden und damit nur ein spezifisches Signal unterbrechen, unterbinden JAK-Inhibitoren die Entzündungskaskade von gleich mehreren Zytokinen, die in der Pathophysiologie der RA eine Rolle spielen, und besitzen somit ein breiteres Wirkspektrum. „Aus Studien wissen wir, dass dieses Wirkprinzip sehr erfolgreich ist, zum Teil besser als das der TNF-Blocker", berichtete Prof. Witte.

Ein weiteres Thema auf dem Symposium war die zunehmende Bedeutung patientenrelevanter Endpunkte (Patient Reported Outcomes, PROs). PROs spielen in der täglichen Praxis eine immer bedeutendere Rolle, da sie den Behandlungsnutzen aus Patientenperspektive zeigen. „Verbesserungen der PROs wie Schmerz, Morgensteifigkeit und Fatigue sind für den Patienten und seine Lebensqualität von größter Bedeutung", unterstrich Dr. med. Rieke Alten aus Berlin. Wichtig sei hierbei auch ein intensiver Dialog mit dem Patienten, um seine Bedürfnisse und auch Präferenzen, beispielsweise mit Blick auf die Therapieanwendung (Applikation), zu erfassen. Deshalb sollten die PROs auch in neuen Zulassungsstudien mehr Berücksichtigung finden. „Es ist ein positives Signal, dass alle Studien zu JAK-Inhibitoren bereits PROs als sekundäre Endpunkte enthalten", betonte Alten. Der erste Schritt sei getan, nun gemeinsam einen Paradigmenwechsel in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis anzustoßen und den Weg von der Selbstbeurteilung zur Selbstbeteiligung der Patienten zu gehen.