03.05.2009

Schweinegrippe breitet sich weiter aus - Warnung vor Panik

Weltweit haben sich über 1.000 Menschen angesteckt, 22 sind bislang gestorben. Dennoch besteht nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden kein Grund zur Panik...

In Deutschland gibt es inzwischen 8 bestätigte Fälle von Schweinegrippe, 5 davon in Bayern, 2 in Brandenburg und einen in Hamburg. Die bisher bundesweit nachgewiesenen 8 Fälle verliefen milde, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Bei den 2 neu gemeldeten Fällen handelt es sich um ein Ehepaar aus Frankfurt (Oder) in Brandenburg. Die Frau und der Mann sind im selben Flugzeug wie die aus Hamburg stammende Grippe-Patientin gewesen. Das Ehepaar weist nur leichte Grippe-Symptome auf.

Hacker zufolge hat ein mit dem H1N1-Virus infizierter Mexiko-Reisender nicht nur eine Krankenschwester, sondern auch einen Zimmernachbarn in der Klinik im niederbayerischen Mallersdorf angesteckt. Damit wurden bereits 2 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert, die selbst nicht im Ursprungsland Mexiko waren. Die bisher bundesweit nachgewiesenen Fälle verliefen milde, sagte Hacker. Insgesamt gebe es 30 weitere Verdachtsfälle.

Trotz der Gefahr einer Pandemie bestehe weiter kein Grund zur Hysterie, obwohl es vermutlich weitere Fälle geben werde: „Wir müssen mit weiteren Ansteckungen auch innerhalb Deutschlands rechnen", so Hacker. Weltweit ist die Zahl der bestätigten Schweinegrippe- Erkrankungen nach Angaben der WHO bis jetzt auf über 1.000 gestiegen. In Mexiko sind über 700 Menschen infiziert, in den USA 226.

Warnstufe bleibt bei 5

Die WHO sah am Freitag zunächst keinen Anlass, die Pandemie-Warnung von Stufe 5 auf die höchste Stufe 6 anzuheben. „Wir beobachten derzeit nur eine flächenmäßige Ausdehnung in 2 Ländern, in Mexiko und den USA", sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl in Genf. Für die Stufe 6 müsse dies auch in 2 verschiedenen Regionen, nachgewiesen sein. Die Menschen könnten derzeit noch viel tun, um sich selbst zu schützen. Derzeit verliefen die Fälle von Schweinegrippe in der Mehrzahl sehr milde. „Wir wissen aber nicht, was die Zukunft bringt", sagte Hartl. Am 29. April hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals die 2.-höchste Pandemie-Warnstufe 5 ausgerufen. Die WHO hatte die 6-stufige Alarmskala im Jahr 2005 eingeführt.

Das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung/ECDC) in Stockholm hat auf Basis bisheriger Grippe-Epidemien im 20. Jahrhundert die Folgen der Schweinegrippe abgeschätzt. Demnach könnten 25 bis 35% der Bevölkerung infiziert werden. Ein Drittel der Angesteckten werde jedoch der Schätzung zufolge keinerlei Krankheitssymptome zeigen. Geschätzt rund 4% der Erkrankten hätten schwerere Symptome, die einen Krankenhausaufenthalt zur Folge hätten.

Überstandene Grippe-Saison bietet möglicherweise Schutz

Dass die Krankheit in Mexiko so viel heftiger verlaufe als bei den bisherigen Fällen in Deutschland, sei vermutlich auf die Grippesaison in dem südamerikanischen Land zurückzuführen, sagte Hacker. „In Deutschland ist die Grippeperiode bereits beendet, die Menschen haben eine gewisse Immunität gegen die Influenza-Viren aufgebaut."

Auch in den anderen Ländern Europas seien die Krankheitsverläufe bisher ausnahmslos "milde", erklärte das ECDC. Mit den deutschen Fällen sind in Europa mindestens 79 Erkrankungen bestätigt. Insgesamt sind Schweinegrippe-Erkrankungen aus den 10 EU-Ländern Spanien (44), Großbritannien (18), Deutschland (8), Österreich (1), Dänemark (1), Niederlande (1), Irland (1), Italien (2), Frankreich (2) sowie aus der Schweiz (1) gemeldet worden.