19.07.2009

Schweinegrippe macht Infektionsschutz auf Reisen unerlässlich

Doppelinfektionen mit Schweinegrippe und einer anderen Infektionskrankheit können lebensbedrohlich werden

Angesichts der rasanten weltweiten Ausbreitung der so genannten „Schweinegrippe" (Neue Grippe) sollten andere Infektionskrankheiten unbedingt vermieden werden. „Die meisten Menschen, die bislang an der neuen Grippe gestorben sind, waren durch Vorerkrankungen körperlich geschwächt. Deshalb sollten Infektionen, wie beispielsweise mit Hepatitis, Masern oder anderen Erregern vermieden werden, weil auch sie zu einer Beeinträchtigung der Körperabwehr führen und es bei einer gleichzeitigen Ansteckung mit dem neuen Grippevirus (H1N1) eher zu bedrohlichen Krankheitsverläufen kommen kann", warnt Prof. Thomas Löscher vom Tropeninstitut in München. „In Großbritannien breitet sich die Neue Grippe sehr schnell aus. Im Nordwesten des Landes treten außerdem die Masern gehäuft auf. Urlauber mit diesem Reiseziel sollten daher gegen Masern geimpft werden, sofern sie nicht früher die Masern durchgemacht haben oder bereits geimpft worden sind. Im Zweifelsfall kann auch ein Bluttest klären, ob Abwehrstoffe gegen Masern vorliegen. Im Mittelmeerraum, in den osteuropäischen Ländern aber auch in Nordafrika besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für eine Hepatitis-A-Infektion, z.B. durch verunreinigte Lebensmittel wie Muscheln und Schalentiere - Reisende sollten sich vor ihrem Urlaub mit einer Impfung vor einer möglichen Infektion schützen", rät Löscher. In den vergangenen Jahren erkrankten in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin jährlich rund 1.000 Menschen an
Hepatitis A.

Zusätzliche Bedeutung für Reiseimpfungen

Die Europäische Seuchenbehörde (ECDC) hat bislang mehr als 130.000 Fälle von Neuer Grippe registriert. Die Zahl der Todesfälle wird mit knapp 700 angegeben. Weil die Krankheit in dem meisten Fällen leicht verläuft oder keine Symptome auftreten, gehen Experten von einer extrem großen Dunkelziffer aus. Den Schätzungen zufolge gibt es in den USA bereits mehr als 1 Million Infizierte. Zudem geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile davon aus, dass sich das neue Grippevirus weltweit unaufhaltsam ausbreitet. Eine Impfung gegen die Neue Grippe wird voraussichtlich erst im Herbst zur Verfügung stehen. Besonders gefährdet sind chronisch Kranke, die bei den geplanten Massenimpfungen auch bevorzugt behandelt werden sollen. „Wer sich jetzt im Urlaub eine infektiöse Leberentzündung einfängt oder eine schwere Durchfallerkrankung, der kann bei einer Ansteckung mit dem Erreger der Neuen Grippe vermehrt gefährdet sein, ähnlich wie Patienten mit einer chronischen Erkrankung", erklärt Löscher. „Das ist den meisten Urlaubern gar nicht bewusst."

Erhöhtes Risiko bereits kurz nach der Infektion

Hepatitis-A-Viren werden durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel sowie durch Schmierinfektion von bereits Infizierten übertragen. Erst nach 2-6 Wochen kommt es zu ersten Krankheitssymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Übelkeit. „Doch schon vorher, unmittelbar nach der Infektion mit den Viren, wird der Organismus geschwächt", erläutert Infektionsexperte Löscher. „Die Viren befallen Leberzellen, zerstören sie und führen zu dem entzündlichen Prozess. Der Betroffene spürt davon zwar noch nichts, sein Immunsystem ist allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits angegriffen. Infiziert er sich dann mit dem neuen Grippevirus, ist das eine enorme zusätzliche Belastung des Organismus, die zu erheblichen gesundheitlichen Risiken führen kann." Urlauber sollten deshalb ihren Impfschutz überprüfen und sich gegebenenfalls noch vor Antritt der Reise gegen Hepatitis A impfen lassen. Zur Grundimmunisierung reicht eine einmalige Injektion aus. Bereits nach 14 Tagen weisen die Impflinge eine sehr hohe Zahl an Abwehrstoffen auf. Daher kann der Schutz auch noch kurz vor der Abreise verabreicht werden - im beliebigen Abstand zu anderen Impfungen. Nach 6 Monaten sollte eine Auffrischung erfolgen, die dann einen Schutz von mindestens 10 Jahren sicherstellt. Viele Krankenkassen erstatten inzwischen auch Reiseimpfungen. Hier finden Sie eine aktuelle Liste der Krankenkassen, die den Impfschutz für ihre Versicherten bezahlen.