06.01.2022

Spielen für die Diabetesforschung

Mit Hilfe eines einfach gestalteten Spiels sollen Nervenschädigungen und Wahrnehmungsstörungen bei Patienten mit Diabetes frühzeitig erkannt werden, berichten Forschende der Uni Magdeburg.

Die Zahl der Menschen mit Diabetes nimmt nach wie vor zu. Erhöhte Zuckerspiegel führen allerdings nicht zu eindeutigen Symptomen. Meistens klagen die Betroffenen über unspezifische Zeichen wie vermehrtes Wasserlassen, Mundtrockenheit, Sehstörungen und Abgeschlagenheit. Heimtückisch ist die Erkrankung Diabetes wegen schleichender Veränderungen an den Nerven und der Entwicklung von Missempfindungen oder dem Verlust von Wahrnehmung an den Füßen. Damit besteht die Gefahr ernsthafter Verletzungen bei den Betroffenen. Schon zum Zeitpunkt der ersten Diagnose einer Zuckererkrankung können Veränderungen an den Nerven vorliegen.

Mit einem neuartigen Forschungsansatz widmet sich eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Mertens, Klinikdirektor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Magdeburg, diesem Problem. Die Arbeitsgruppe hat ein Register für „Diabetes und Nerven“ aufgebaut, in dem schon mehr als 1.100 Betroffene der Region Magdeburg aufgenommen wurden. Ziel ist es, Nervenschäden mit Hilfe eines einfach gestalteten Spiels zu erfassen und damit einen frühzeitigen Nachweis einer Nervenschädigung oder einer kognitiven Einschränkung zu erbringen. In dem Forschungsprojekt unter dem Titel „Neuropath iA“ werden noch weitere Studienteilnehmer:innen gesucht.

Prof. Mertens erläutert: „Zirka jeder dritte Patient mit Diabetes leidet an einer Nervenschädigung. Gut die Hälfte dieser Patienten weiß dies jedoch nicht und läuft somit Gefahr für eine ernsthafte Fußverletzung, wie etwa Verbrennungen. Verletzungen werden dadurch unbemerkt verschleppt und weiten sich leichter aus.“ Laut dem Diabetologen können zudem Nerven durch den Einfluss von erhöhten Blutzuckerwerten aktiviert werden, ohne dass es angebracht wäre. Dies führe zu Symptomen wie Ameisenkribbeln, unangenehmem Ziehen bis brennende Schmerzen, meist verbunden mit Bein- oder Fingerkrämpfen.

Bei der ärztlichen Untersuchung wird nach solchen Veränderungen gefahndet. In der Diagnostik nutzt die Magdeburger Arbeitsgruppe dafür ein eigens entwickeltes einfaches Spiel. Prof. Mertens erläutert das Prinzip: „Nervenschäden werden unter anderem durch Auslösung der Muskelreflexe oder die Nutzung einer Stimmgabel bestimmt. Unsere Probandinnen und Probanden tragen Schuhe mit speziellen Einlegesohlen, die mit Hilfe von Drucksensoren die Nervenfunktion bei bestimmten Bewegungsübungen messen können. Sind die Wahrnehmungen vermindert, spricht man von einer Polyneuropathie.“ Neben dem 20-minütigen Bewegungs-Spiel erfolgen eine ärztliche Untersuchung aller Nervenfunktionen, eine Testung der kognitiven Funktionen und ein Fragebogen ist ebenfalls auszufüllen. Die Auswertung der Spielergebnisse werden den Studienteilnehmenden unmittelbar mitgeteilt und mit Untersuchungsbefunden der Ärzt:innen verglichen.

Mehr als 200 Probanden haben bisher erfolgreich an der Studie teilgenommen. „Wir benötigen knapp 500 Probanden mit Diabetes Typ I oder Diabetes Typ II, damit wir eine aussagefähige Kohorte haben“, erklärt Prof. Mertens. Interessierte sollten im Alter von 18 bis 80 Jahren sein, eine Schuhgröße von 36 bis 46 tragen und nicht an Fußveränderungen und akuten Erkrankungen leiden. Die Untersuchungen finden an der Universitätsmedizin in Magdeburg statt. Die Fahrtkosten können erstattet werden.
Wissenschaftliche Ansprechpartner: Claudia Piehler, Studienzentrum der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Leipziger Str. 44, Tel.: 0391-67 21745, Mail: claudia.piehler@noSpam.med.ovgu.de 

Quelle: Universitätsmedizin Magdeburg

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