05.04.2016

Sport am Vortag kann die Diagnose von Gelenkrheuma erschweren

Bei Verdacht auf Rheuma sollten sportlich aktive Menschen eine Ruhephase einlegen, bevor sie sich einem Gelenkultraschall unterziehen, um das Untersuchungsergebnis nicht zu verfälschen.

Ultraschalluntersuchungen spielen sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis eine entscheidende Rolle: Sie ermöglichen es, frühzeitig entzündliche Prozesse an Gelenk und Knochen aufzudecken, und sie geben Hinweise darauf, welche Therapie die richtige ist.

Wer sich bei Verdacht auf entzündliches Rheuma einem Gelenkultraschall unterzieht, sollte vorher auf Sport bzw. größere körperliche Anstrengung verzichten. Denn dies kann die Diagnose erschweren. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) unter Berufung auf eine aktuelle Studienergebnisse hin (siehe Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015, Band 140(16), Seite: 1223-1226). „Um Unsicherheiten auszuschließen, sollte man vor einem Gelenkultraschall ein paar Ruhetage einlegen", rät Prof. Dr. med. Marina Backhaus, Chefärztin der Abteilung Innere Medizin - Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Park-Klinik Weißensee in Berlin, und verweist auf eine Studie aus Spanien: Bei Probanden, die sich am Vortag körperlich betätigten, wurden deutlich häufiger Hinweise auf eine Gelenkinnenhautentzündung registriert als bei Kontrollpersonen. „Eine solche Synovitis kann Folge einer rheumatischen Erkrankung sein, muss es aber nicht", erklärt Prof. Backhaus. Manchmal sei die Ursache - wie bei einer Sehnenscheidenentzündung - nur eine Überanstrengung oder Überreizung, so die Expertin.

Ultraschalluntersuchungen eignen sich sehr gut zur Frühdiagnostik rheumatischer Erkrankungen. Auf dem Bildschirm lassen sich selbst kleinste Defekte in Knorpel und Knochen der Hand- und Fingergelenke erkennen. Erfahrene Untersucher können dem Ultraschallbild zudem zuverlässige Hinweise auf entzündliche Aktivitäten entnehmen. Das ist vor allem auch bei Patienten mit einer bereits diagnostizierten Rheumatoiden Arthritis wichtig. „Nicht immer schätzen die Patienten die Krankheitsaktivität richtig ein", betont Prof. Backhaus. Die Sonografie ermögliche es dem Arzt, sich ein genaues Bild zu machen.

Neben dem gewöhnlichen B-Mode-Ultraschall setzen Rheumatologen und Orthopäden auch den Doppler-Ultraschall ein. Mit dieser Methode können die Ärzte vermehrte Gefäßbildungen in der Gelenkschleimhaut nachweisen und so einen sich anbahnenden rheumatischen Schub vorhersagen.

Insbesondere bei Patienten, bei denen sich Beschwerden wie Morgensteifigkeit, Müdigkeit oder Schmerzen dauerhaft oder vorübergehend abgeschwächt haben, kann dies wertvolle Erkenntnisse liefern. „Die Ergebnisse haben mitunter großen Einfluss auf die Wahl der Therapie", erklärt Prof. Backhaus. Der Ultraschall erfülle vielfältige Aufgaben in der Rheumatologie, wobei Qualifikation und Erfahrung des Untersuchers von entscheidender Bedeutung für die Sonografie seien, so die Expertin.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)