06.08.2008

Stammzellen gegen chronische Darmentzündung

Stammzellen könnten bei chronischer Darmentzündung zerstörte Zellen in der Schleimhaut des Darms ersetzen...

Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München ist erstmals der Nachweis gelungen, dass Stammzellen von Erwachsenen (adult) auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen helfen können. Die Forscher setzten adulte Stammzellen in einem experimentellen Versuchsansatz mit Mäusen ein, die den Zellschaden am Darm erkannten und reparieren konnten. Versuchstiere, denen die Stammzellen intravenös verabreicht worden waren, wiesen weniger Gewebeschäden sowie weniger der typischen Verdickungen und Verengungen des Darms auf. So konnten auch die Symptome, etwa Durchfälle und ein Gewichtsverlust, gebremst werden.

Besonders viel versprechend ist, dass die Stammzelltherapie auch die erhöhte Todesrate bei schweren Darmentzündungen drastisch senken konnte. Nach ersten Hinweisen könnte der therapeutische Effekt auf einer Neubildung von Blutgefäßen beruhen. Fraglich ist noch, inwieweit diese Ergebnisse von den Mäusen auf den Menschen übertragbar sind. Weitere Experimente sollen dies nun zeigen und auch der Frage nachgehen, ob die Fähigkeiten der adulten Stammzellen noch gesteigert werden können. Denkbar ist auch eine Nutzung als therapeutische Vehikel, die Wirkstoffe an Zielorte im Körper bringen.

Hoffnung für Patienten

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten Vertreter der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, kurz CED. In beiden Fällen treten schwerwiegende Veränderungen am Darm auf. In manchen Fällen müssen die betroffenen Abschnitte chirurgisch entfernt werden. Die genaue Ursache der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist noch unbekannt, es kommt aber zu einer unkontrollierten Aktivierung des Immunsystems. Entsprechend fußt die Behandlung der Patienten bislang auf einer Unterdrückung der Körperabwehr, oft auch durch Kortison oder verwandte Präparate. Damit können die Beschwerden in der Regel gut kontrolliert werden, allerdings werden dadurch weder die Zellschäden repariert noch die Funktion des Darms als immunologische Barriere für Krankheitserreger wiederhergestellt.

Patienten und Ärzte hoffen deshalb auf grundsätzlich neue Therapieansätze, die über eine reine Immunsuppression und Blockade einzelner krankmachender Faktoren hinausgehen. Eine mögliche Strategie setzt auf die Nutzung adulter Stammzellen. Anders als embryonale Stammzellen, die sich in jeden Zelltyp des Körpers entwickeln können, ist die Fähigkeit adulter Stammzellen eingeschränkt. Aus ihnen kann aber immer noch eine Auswahl an Zelltypen entstehen. Die adulten Stammzellen bieten den embryonalen Stammzellen gegenüber aber einen entscheidenden Vorteil: Sie können aus dem erwachsenen Körper gewonnen werden, während embryonale Stammzellen aus dem Gewebe verstorbener Embryonen stammen.