03.07.2011
Tops und Flops unter den Therapieverfahren für Fibromyalgie
Für die nicht-entzündliche Schmerzerkrankung Fibromyalgie ist ein neues Leitlinienwerk entwickelt worden, in dem u.a. auch verschiedene Behandlungsmethoden bewertet werden.
Zur Diagnose und Therapie der nicht-entzündlichen Schmerzerkrankung Fibromyalgie ist ein neues Leitlinienwerk (siehe dgrh.de/leitliniefms.html) entwickelt worden, das 189 Seiten umfasst und nach Ansicht von Dr. Martin Quarz, Chefarzt der orthopädischen Klinik am Median-Reha-Zentrum Bernkastel-Kues und ärztlicher Berater der Mitgliederzeitschrift der Deutschen Rheuma-Liga „mobil", durchaus gelungen ist. „Zwölf Ärztevereinigungen derjenigen Fachrichtungen, die mit Fibromyalgiepatienten konfrontiert werden (Hausärzte, Rheumatologen, Orthopäden, Neurologen, Psychotherapeuten und Reha-Mediziner) haben die gesamte weltweite Fachliteratur nach vorgegebenen Kriterien ausgewertet", schreibt Quarz in mobil 06/2010. „Zudem waren die Deutsche Rheuma-Liga, die Deutsche Fibromyalgievereinigung und der Verband der Physiotherapeuten und Krankengymnasten eingebunden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen."
Lang bestehende Therapieunsicherheiten seien so weit wie möglich beseitigt. worden. „Während es früher völlig unklar war, welche Therapien überhaupt wirksam sind, herrscht
nun Klarheit darüber, welche Therapien wissenschaftlich mit welcher Qualität und
welchem Ergebnis untersucht wurden und welche nicht", berichtet Quarz. „Daraus lässt sich eine Wirksamkeitsliste aller Behandlungsmethoden ableiten." Andererseits gebe es leider auch noch viele Therapien, die bisher überhaupt nicht wissenschaftlich untersucht wurden oder die wissenschaftlich zwar untersucht wurden, aber unzureichend in der Qualität des Nachweises waren. Manche wiederum seien aufgrund besonderer Eigenarten gar nicht beweisbar. Zum Beispiel gestalte sich der wissenschaftliche Beweis einer Massage als durchaus schwierig.
Nach Bewertung der bislang verfügbaren wissenschaftlichen Studien zur Fibromyalgie wurde eine Therapie-Rankingliste aufgestellt. „Auf Platz 1 steht die so genannte multimodale
Therapie", berichtet Quarz. Dabei handelt es sich um eine ganzheitliche Therapie, die mehrere Verfahrensweisen (multimodal leitet sich ab vom Latienischen multi = viel und modus = Art und Weise) wie Patientenschulung, Trainingstherapie und psychotherapeutische Verfahren umfasst und zum Beispiel in Reha-Kliniken weit verbreitet ist. „Oft werden im Rahmen der multimodalen Therapie noch weitere Therapien der Plätze 2 bis 10 eingesetzt, so beispielsweise Antidepressiva (Platz 3) oder Akupunktur (Platz 5)", erläutert Quarz. „Die Akupunktur wird sehr unterschiedlich bewertet, je nachdem ob sie Teil eines multimodalen Schmerzkonzeptes ist oder als alleinige Therapie bewertet wird. Als solche floppte sie (Platz 1 der Top-Flops). Interessant ist auch, dass Therapien, bei denen sich die Betroffenen stark einbringen, wie Ausdauertraining oder therapeutisches Schreiben, vor Tai-Chi, Qigong und Ganzkörpertherapie rangierten und einer Behandlung mit Medikamenten wie Kortison, Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Tetrazepam weit überlegen waren. Weit abgeschlagen ist auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsprodukten, biologischen Substanzen sowie die Anwendung von TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation)."
Quelle: mobil 06/2010 (Fibromyalgietherapie - Zwischen Tops und Flops)
