17.11.2015
Trotz Rheuma Kinder bekommen?
Hilfe für Rheumatikerinnen mit Kinderwunsch bietet die Deutsche Rheuma-Liga bei einem Experten-Forum im Internet vom 19. bis 26. November.
Rheuma ist eine schmerzhafte Erkrankung, deren Behandlung oft eine tägliche Einnahme von Medikamenten erfordert. Das macht junge Rheumatikerinnen mit Kinderwunsch unsicher und sie fragen sich, ob eine Schwangerschaft unter diesen Vorzeichen überhaupt möglich ist. Ja, sagen Experten. Vom 19. bis zum 26. November geben sie betroffenen Paaren in einem Internetforum der Deutschen Rheuma-Liga unter www.rheuma-liga.de/forum Auskunft und Ratschläge.
Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, Rheumatologin und Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, und Privatdozentin Dr. Rebecca Fischer-Betz, stellvertretene Leiterin der Poliklinik für Rheumatologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, stehen den Betroffenen für Fragen zur Verfügung. Zudem können sie sich mit erfahrenen Betroffenen Nicole Burkert und Lisa Giesler austauschen und Tipps erhalten.
Für Lisa Giesler stand es fest, dass sie auf jeden Fall ein Kind haben möchte. Doch kurz nach der Heirat 2007 bekam sie die Diagnose Lupus - einer rheumatischen Erkrankung, die auch die inneren Organe in Mitleidenschaft zieht, bei Giesler sind es z.B. die Nieren. 2013 kamen dennoch ihre beiden Jungs zur Welt - Zwillinge. Wenn auch einige Jahre später als sie es zunächst mit ihrem Mann geplant hatte. „Eigentlich wollten wir sofort nach der Hochzeit schwanger werden", berichtet Giesler. Doch ihre Erkrankung lehrte sie Geduld zu haben. „Ich habe zunächst meinen Arzt informiert, dass wir uns ein Kind wünschen. Denn die Frage, ob ich trotz der Medikamente schwanger werden kann, machte mich unsicher", bekennt die heute 31-Jährige. Sie erfuhr, dass eine Reihe von Medikamenten nach dem heutigen Kenntnisstand weder den Schwangerschaftsverlauf negativ beeinflussen noch dem Kind schaden. Einige musste sie aber wechseln. „Das geht nicht von heute auf morgen", weiß Giesler heute.
Die meisten rheumatischen Krankheiten beeinflussen das Ungeborene nicht. Jedoch bestehen bei einem systemischen Lupus erythematodes Risiken, die bedacht werden sollten. Das Risiko für Fehlgeburten ist erhöht und auch die Geburtswehen können verfrüht einsetzen. Über das Für und Wider klärte der behandelnde Arzt Lisa Geisler auf. Dies war trotzdem kein Grund, ihren Wunsch aufzugeben: „Ich wollte unbedingt ein Kind. Ich bin heute noch den Ärzten dankbar, die mich dabei unterstützt haben."
Frauen mit einer rheumatischen Erkrankung sollten aber nicht ungeplant schwanger werden. „Im Vorfeld müssen mögliche Risiken erkannt und besprochen werden, später erfolgt eine engmaschige Überwachung von Mutter und Kind", betont Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle. Dank der verbesserten Therapiemöglichkeiten der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sei es für immer mehr betroffene junge Menschen möglich, auch eine Familie zu gründen.
Einer normalen Schwangerschaft steht Frauen mit einer rheumatischen Erkrankung dank moderner Therapiemöglichkeiten nichts mehr im Weg, bestätigt Dr. Rebecca Fischer-Betz. Wichtig sei es, dass Gynäkologen und Rheumatologen aber auch Allgemeinmediziner Hand in Hand arbeiten. Eine engmaschige Betreuung ist gerade für schwangere Frauen mit Rheuma besonders wichtig. An der Düsseldorfer Uniklinik gibt es zum Beispiel seit 1996 eine spezielle Sprechstunde für erkrankte Frauen mit Kinderwunsch.
Nicole Burkert, die an einer chronischen Polyarthritis leidet, ist zweimal eher ungeplant schwanger geworden. „Die erste Schwangerschaft Anfang der 90er Jahre habe ich gut überstanden, ich hatte wenige bis keine Schübe", erzählt die heute 40-Jährige. Auch beim zweiten Mal konnte sie nicht im Vorfeld ihren Arzt zu Rate ziehen, trotzdem hatte sie nach eigenen Angaben eine weitgehend komplikationslose Schwangerschaft. Ihre dritte Schwangerschaft 2008 beschreibt sie dann allerdings als die schönste. Von der Planung, wieder schwanger zu werden, bis zur Geburt, waren ihr behandelnder Rheumatologe und Gynäkologe einbezogen. Beide tauschten sich aus und betreuten ihre Patientin engmaschig. „Ich fühlte mich gut aufgehoben", meint sie rückblickend.
Kinderwunsch und Rheuma sind aber nicht nur für Frauen ein Thema. So können bestimmte Medikamente die Fruchtbarkeit beim Mann beeinflussen, einige gar zu einer zeitweiligen Unfruchtbarkeit führen. Deshalb ist das Gespräch mit dem Arzt wichtig, um dann z.B. einen möglicherweise notwendigen Medikamentenwechsel einleiten zu können.
Quelle: Deutsche Rheuma-Liga
