07.08.2007
Übergewicht kann „ansteckend“ sein
Wer einen übergewichtigen Freund oder Freundin hat, wird selbst leichter füllig. Auch Geschwister ähneln sich im Gewicht...
Die Ergebnisse einer amerikanischen Studie zeigen, dass soziale Beziehungen einen wesentlichen Einfluss auf das Körpergewicht haben. Für die Untersuchung wurden Daten von gut 12.000 Patienten aus einer mehr als 30 Jahre laufenden Herz-Studie ausgewertet.
Die Gefahr zuzunehmen steigt demnach um 57%, wenn ein eng befreundeter Mensch zugenommen hat. Freunde nehmen danach auch zu, wenn sie hunderte von Kilometern entfernt wohnen. Demgegenüber beeinflussen sich Nachbarn nicht, wenn zwischen ihnen keine soziale Beziehung besteht. Bei Geschwistern erhöht sich das Risiko um 40%, bei Ehepaaren um 37%.
„Soziale Nähe spielt eine größere Rolle als geographische Nähe", folgern die Autoren der Untersuchung. Dies zeige, dass Menschen nicht einfach den Lebensstil ihrer Geschwister und Freunde übernehmen. Vielmehr änderten sie ihre Idealvorstellung von einem angemessenen Körpergewicht, wenn Menschen zunehmen, die ihnen nahe stehen. „Wer übergewichtige Freunde oder Geschwister hat, findet ein hohes Gewicht eher akzeptabel", so die Autoren.
Frauen beeinflussen Frauen, Männer beeinflussen Männer
Eine Freundschaft zu Menschen desselben Geschlechts spielt offenbar eine besonders wichtige Rolle. So steigt in diesen Fällen die Gefahr von Übergewicht um 71%, wenn der Freund oder die Freundin zunimmt. Auf Geschwister trifft dies ebenfalls zu: Nimmt ein Mann zu, so steigt das Risiko seines Bruders für Übergewicht um 44%, unter Schwestern sogar um 67%. Ein Freund oder Geschwister des anderen Geschlechts haben dagegen keinen Einfluss. „Offenbar werden Menschen stärker von jemandem beeinflusst, der ihnen ähnelt, als von jemandem, der anders ist", so die Wissenschaftler. Bei Ehepaaren könnten der Geschlechtseffekt und der Freundschaftseffekt gegeneinander wirken.
Die Studie hilft nach Meinung der Wissenschaftler zu erklären, warum in den westlichen Industrieländern immer mehr Menschen übergewichtig sind. Es sei zwar wichtig, Umweltfaktoren und Erbanlagen zu erforschen, die Übergewicht begünstigen können. Die Wirkung sozialer Bindungen dürfe jedoch nicht vernachlässigt werden. Denn diese Wirkung lässt sich effektiv für Programme zum Abnehmen nutzen. „Wenn wir einem Menschen helfen abzunehmen, helfen wir tatsächlich Vielen", sagt auch Prof. Eberhard Standl vom Berufsverband Deutscher Internisten. Nicht nur das Zunehmen sei „ansteckend", auch das Abnehmen.
Quelle: New England Journal of Medicine 2007, 357: S. 370
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