30.06.2008
Virus-Infektion kann Leberkrebs auslösen
Deutschen Wissenschaftlern ist es gelungen, einer Ursache für das Auftreten von Leberkrebs auf die Spur zu kommen...
Die Hauptursache für die Entstehung eines Leberzellkarzinoms ist eine chronische Entzündung der Leber, eine so genannte Hepatitis. Diese wird vor allem durch Alkoholmissbrauch oder Hepatitis-Viren ausgelöst. Die Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass der Krankheitsverlauf immer dann besonders schwer ist, wenn die Leberzellen sowohl mit Hepatitis-B- als auch mit Hepatitis-C-Viren befallen sind. Durch die Doppel-Infektion reichert sich das Hepatitis-B-Virus ungewöhnlich stark in der Zelle an und fördert so die Krebsentstehung.
Koinfektion von Hepatitis-B und -C besonders gefährlich
Da Hepatitis-Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben, sind sie auf eine Wirtszelle angewiesen. Bei einer Infektion gelangt das Virus in menschliche Körperzellen, wo es in seine Einzelbestandteile zerfällt. Auf diese Weise nutzt das Virus den Stoffwechsel der Wirtszelle zu seinem eigenen Vorteil: Es zwingt diese, neue Viren zu produzieren, die schließlich aus der Wirtszelle entlassen werden und weitere Körperzellen befallen.
Bei einer Doppel-Infektion mit Hepatitis-B- und C-Viren ist dieser virale Mechanismus gestört. Das Hepatitis-C-Virus greift in den Prozess der Vervielfältigung des anderen Virus-Typs ein und verhindert, dass das Hepatitis-B-Virus die Zelle verlassen kann. Dadurch reichert es sich ungewöhnlich stark in der Zelle an und aktiviert Signalwege, die wiederum die Krebsentstehung fördern.
Verschiedene Virus-Typen können Leberkrebs verursachen
Derzeit sind 5 Hepatitis-Viren bekannt, die Entzündungen der Leber auslösen. Diese werden mit den Buchstaben A bis E bezeichnet und zumeist über das Blut oder beim Geschlechtsverkehr übertragen. Für die Entstehung von Leberkrebs sind vor allem die Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren verantwortlich. Hepatitis-A kann dagegen keine chronische Entzündung hervorrufen und daher auch nicht zu Leberkrebs führen.
In den meisten Fällen sind Betroffene nur mit einem Typ der Hepatitis-Viren infiziert, etwa 20% der Infizierten haben sich jedoch mit beiden Viren-Typen angesteckt. Während Betroffene mit einer einzelnen Infektion 20-30 Jahre ohne Ausbruch der Krankheit - Leberzirrhose oder Krebs - leben können, entsteht bei doppelt infizierten Patienten häufiger Leberkrebs. Dazu kommt noch, dass die Heilungschancen dramatisch sinken, da es bei dieser Koinfektion bis jetzt keine geeignete Therapieoption gibt. Patienten mit einer Doppelinfektion müssen besonders genau überwacht werden, z.B. mit 3 monatlichen Ultaschall- und Kernspin-Untersuchungen im Abstand von 6-12 Monaten.
Der Leberkrebs ist ein bösartiger Tumor, der schnell fortschreitet. Die Heilungschancen sind meist schlecht, da der Tumor oft zu spät erkannt wird. Die besten Heilungsaussichten bestehen, wenn das Karzinom früh entdeckt wird bzw. wenn es noch auf die Leber begrenzt ist und noch keine Metastasen gebildet hat.
