11.10.2010
Vorsicht bei Fernreisen: Hohes Hepatitis-A- und B-Risiko
Viele Menschen reisen in der kalten Jahreszeit in Länder mit wärmerem Klima. Bei einer Fernreise besteht ein besonders hohes Risiko, sich mit Hepatitis A und B zu infizieren. Der BDI rät daher zu einer Impfung gegen diese Krankheitserreger vor Reiseantritt.
Wer jetzt zu Beginn der Fernreisesaison im Herbst oder Winter für ein sonniges und warmes Klima nach Asien, Südamerika, Mexiko oder in die Karibik reisen will, sollte sich gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Dies rät der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). „Reisende aus Ländern mit hohen Hygienestandards erwerben eine Hepatitis-A-Infektion hauptsächlich bei Auslandsreisen, deshalb wird die Krankheit auch Reisegelbsucht genannt. In zahlreichen Ländern, die noch keine Hepatitis-B-Impfprogramme für Säuglinge eingeführt haben, sind chronische Hepatitis-B-Infizierte, d.h. mögliche Virusübertrager, weit verbreitet", warnt Prof. Thomas Löscher vom BDI.
Laut der neu im Oktober gegründeten Koalition zur Bekämpfung der viralen Hepatitis in den Ländern der asiatisch-pazifischen Region CEVHAP (Coalition for the Eradication of Viral Hepatitis in Asia Pacific) leben etwa 75% der 360 Millionen weltweit verbreiteten Hepatitis-B-Träger in Asien. Experten schätzen, dass fast jeder zehnte Bewohner in Südostasien, einschließlich China, Indonesien und den Philippinen chronischer Hepatitis-B-Träger ist. Auch in Teilen der Karibik, insbesondere in der Dominikanischen Republik und Haiti ist die Zahl der möglichen Überträger sehr hoch. "Das Virus ist 100-mal infektiöser als HIV und wird durch kleinste Spuren von Blut, Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten übertragen. Dies ist nicht nur durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, verunreinigte Spritzen oder nicht auf Hepatitis B getestete Bluttransfusionen möglich, sondern auch über winzigen Verletzungen der Haut oder Schleimhäute durch Gegenstände, die mit geringsten Blutspuren kontaminiert sind , z.B. bei einer unsauberen kosmetischen Behandlung, durch Rasiermesser, Tätowieren, Piercing oder Ohrlochstechen. Eine notwendige ärztliche Behandlung während einer Fernreise z.B. aufgrund einer Verletzung kann daher bereits ein Risiko darstellen. Diese Leberentzündung ist eine der Hauptursachen für Leberkrebs. Etwa 4% der Krebserkrankungen weltweit gehen auf diese Krebsform zurück", so Prof. Löscher.
Hepatitis-A-Ausbrüche in Mexiko
In verschiedenen Teilen Mexikos ist es in jüngster Zeit zu Häufungen von Hepatitis A - der so genannten Reisegelbsucht - gekommen. Grund dafür war in den meisten Fällen kontaminiertes Trinkwasser, infolge mangelhafter Kanalisation und ungenügender Aufbereitung . Das Virus wird über verunreinigtes Trinkwasser oder durch mit kontaminiertem Wasser zubereitetes Essen (z.B. Salate, Eiswürfel) übertragen, deshalb kommt Hepatitis dort endemisch vor. „Die Hepatitis A-Infektion verläuft bei kleinen Kindern meistens harmlos, häufig auch ohne sichtbare Symptome. In einer Gemeinschaft bzw. Familie kann das hochinfektiöse Virus dann leicht weitergegeben werden, z.B. durch die gemeinsame Benutzung von sanitären Anlagen. Bei Erwachsenen manifestiert sich die Hepatitis A meist als akute Erkrankung mit Gelbsucht. Bei Älteren treten gehäuft Komplikationen auf, auch Todesfälle sind möglich, insbesondere bei Vorerkrankungen der Leber", erklärt Prof. Löscher. Etwa 72% der erkrankten US-Urlauber erwarben 2009 die Reisegelbsucht beispielsweise in Mexiko oder in Zentral- sowie Südamerika. Daher raten Reisemediziner zu Beginn der Fernreisesaison im Herbst und Winter auch europäischen Mexikourlaubern zur vorbeugenden Impfung.
Sowohl bei der Hepatitis-B-Impfung als auch bei der Kombinationsimpfung mit Hepatitis A sind 3 Impfungen erforderlich, um einen anhaltenden Immunschutz aufzubauen. Die 2. Impfung erfolgt 4 Wochen nach der ersten, die 3. dann nach weiteren 6-12 Monaten. Bereits nach der 2. Kombinationsimpfung besteht ein hoher Schutz gegen Hepatitis A (z.B. vor Reisen).
Die Impfung gegen Hepatitis B ist für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr kostenfrei, für Erwachsene zahlen viele Krankenkassen die Kombinationsimpfung vor entsprechenden Auslandsreisen.
