01.01.2021

Vorsorge-Check-up durch Ultraschall kann Leben retten

Die Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta gehört für Männer ab 65 Jahren zum Gesundheits-Check-up. Experten erklären, warum diese Vorsorgeuntersuchung auch für Frauen wichtig ist.

Bis zu 2000 Menschen sterben pro Jahr an einer Ruptur, also einem Zerreißen oder Aufplatzen, eines Bauchaortenaneurysmas. Die Aorta ist das größte arterielle Blutgefäß im menschlichen Körper. Die  Bauchaorta (Aorta abdominalis) ist bei einem Erwachsenen durchschnittlich zwischen zwei und drei Zentimeter dick. Als Aneurysma wird eine Aussackung des Gefäßes verstanden, bei der der Lumen des Blutgefäßes ausgedehnt wird. Durch die Ausdehnung wird die Gefäßwand immer dünner, bis sie schließlich reißt.

In Deutschland gehört die Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta für Männer zu dem durch die Krankenkassen bezahlten Gesundheits-Check-up ab 65 Jahren. Warum zusätzliche eine flächendeckende Einladung zum Screening sinnvoll ist und warum die Vorsorgeuntersuchung auch für Frauen wichtig ist, war Thema einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM). Den Videomitschnitt der Pressekonferenz können Interessierte hier ansehen: https://attendee.gotowebinar.com/recording/3207801396125793038

Schmerzfrei, risikolos und ohne Nebenwirkungen – das ist eine Ultraschalluntersuchung. Sie steht im starken Kontrast zu dem, was sie, im Falle der Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas, verhindern kann: Nur zehn Prozent aller Patienten, die eine Ruptur erleiden, erreichen lebend das Krankenhaus, alle anderen versterben bereits auf dem Weg dorthin oder noch zu Hause. Geschätzt 250.000 Menschen in Deutschland sind an einem Bauchaortenaneurysma erkrankt.

Das Bauchaortenaneurysma (BAA) ist eine Erweiterung der Bauchschlagader (Aorta) auf einen Durchmesser von mindestens 30 Millimeter. Durch die Ausdünnung der Wand erhöht sich die Rupturgefahr in Abhängigkeit des Aneurysmadurchmessers. „Wichtige Faktoren für die Entstehung eines Aneurysmas sind das männliche Geschlecht ab dem 65. Lebensjahr, familiäre Häufung und Nikotinkonsum“, erklärt Dr. med. Siegfried Krishnabhakdi, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre- und endovaskuläre Chirurgie im Klinikum Osnabrück GmbH. „Bauchaortenaneurysmen sind in der Bevölkerung nicht selten. Ein Großteil der Aneurysmen wird nach der Diagnose lediglich regelmäßig kontrolliert, nur bei wenigen ist ein Eingriff als Reaktion auf die Diagnose notwendig“, so Krishnabhakdi. Die Ultraschalluntersuchung liefert bei der Diagnosestellung sehr genaue Ergebnisse. „In beinahe 100 Prozent der Untersuchungen kann die Größe des Aneurysmas zuverlässig bestimmt werden“, berichtet der DEGUM-Experte.

Die Kriterien, ab wann eine Kontrolle oder eine Therapie notwendig ist, sind definiert. Ist bei Männern das BAA größer als 55 Millimeter und bei Frauen größer als 50 Millimetern, wird empfohlen, das Aneurysma auszuschalten. Kleinere Aneurysmen mit geringer Wachstumsgeschwindigkeit werden mit Ultraschall weiter beobachtet. Die Intervalle hängen dabei von der Größe, den Risikofaktoren, wie zum Beispiel Nikotinkonsum, und der Wachstumsgeschwindigkeit ab. Da Frauen – und noch mehr rauchende Frauen – zur Ruptur neigen, werden hier kürzere Intervalle empfohlen.

Seit 2018 ist das Ultraschallscreening für Männer ab 65 Jahre Teil der Vorsorgemaßnahmen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Untersuchung wird von Hausärzten, Urologen, Internisten, Radiologen und Chirurgen durchgeführt. „Die Raten von Gesamtsterblichkeit, aneurysmabedingter Mortalität, Zahl der Rupturen und Notfalloperationen gingen im Langzeitverlauf durch das Screening signifikant zurück“, betont Krishnabhakdi. Allerdings werde eine Risikogruppe vernachlässigt: die Frauen. „Bei Frauen über 65 Jahren, die rauchen, ist das Risiko der Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas sogar höher als bei gleichaltrigen Männern.“ Für Krishnabhakdi wäre deshalb eine Ausweitung des Vorsorge-Screenings auf Frauen über 65 Jahre, die Risikofaktoren wie Nikotinkonsum und Bluthochdruck erfüllen, sinnvoll.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)

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