08.05.2020

WHO-empfohlene Desinfektionsmittel gegen SARS-CoV-2 wirksam

Beide von der WHO empfohlenen, alkoholbasierten Hand-Desinfektionsmittel inaktivieren das SARS-CoV-2- Coronavirus nach 30 Sekunden hinreichend - berichten Forscher der Ruhr-Universität Bochum.

Beide alkoholbasierten Handdesinfektionsmittel, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sind bei korrekter Anwendung wirksam gegen das Coronavirus Sars-Cov-2. Das hat ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Stephanie Pfänder von der Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) bestätigt (siehe Emerging Infectious Diseases, Online-Veröffentlichung am 13. April 2020).

Die Forscherinnen und Forscher setzten Sars-Cov-2-Viren jeweils 30 Sekunden lang den von der WHO empfohlenen Desinfektionslösungen aus. „Dabei haben wir uns an der von Desinfektionsmittelherstellern empfohlenen Wirkdauer orientiert“, berichtet Stephanie Pfänder.

Im Anschluss brachte das Team die Viren auf eine Zellkultur aus und analysierte, wie viele Viren infektiös geblieben waren. „Wir konnten zeigen, dass beide von der WHO empfohlenen Desinfektionsmittel das Virus nach 30 Sekunden hinreichend inaktivieren“, fasst Stephanie Pfänder die Ergebnisse zusammen. Dies gilt zudem nicht nur für die WHO-Lösungen, auch deren Hauptbestandteile, die Alkohole Ethanol und Isopropanol, konnten das Virus ausreichend inaktivieren.

Nachdem die Bundesregierung das Arzneimittelgesetz am Mittwoch, 4. März 2020, für sechs Monate geändert hat, ist die Formulierung WHO II, die auf Isopropanol basiert, für diese Zeit zugelassen. Das erlaubt es unter anderem Apotheken, diese Mischung herzustellen und zu verkaufen, um der aktuellen Desinfektionsmittelknappheit zu begegnen.

Das von der WHO empfohlene Desinfektionsmittel I besteht aus 80 Volumenprozent Ethanol, 1,45 Volumenprozent Glycerin und 0,125 Volumenprozent Wasserstoffperoxid. Das Desinfektionsmittel II besteht aus 75 Volumenprozent Isopropanol, 1,45 Volumenprozent Glycerin und 0,125 Volumenprozent Wasserstoffperoxid.

Anlässlich des Tags der Händehygiene am 5. Mai hat das Robert Koch-Institut (RKI) allerdings darauf hingewiesen, dass einige der WHO-Rezepturen im medizinischen und pflegerischen Umfeld nicht ausreichend wirksam sind (siehe Epidemiologisches Bulletin, Online-Veröffentlichung am 4. Mai 2020). Nach europäischen Standards müssten Desinfektionsmittel eine hygienische Händedesinfektion binnen 30 Sekunden und eine chirurgische Händedesinfektion binnen 90 Sekunden ermöglichen. Für die WHO-Rezepturen seien hingegen oft deutlich längere Einwirkzeiten erforderlich. Das RKI empfiehlt daher modifizierte WHO-Rezepturen mit Alkoholen in Gewichtsprozent und 0,725 Prozent Glyzerol als beste Varianten.

Das RKI rät, vorhandene Bestände anderer Rezepturen nicht zu verwerfen, sondern im Bewusstsein der Limitationen aufzubrauchen. Über die veränderte Anwendung für die hygienische Händedesinfektion (doppelte Einwirkzeit!) und die Untauglichkeit zur chirurgischen Händedesinfektion sollte aber aufgeklärt werden, so das RKI.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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