23.09.2015
Wie Rheumatiker mehr Motivation für Sport und Bewegung aufbringen
Wie sich Patienten mit Rheuma dauerhaft zu mehr körperlicher Aktivität motivieren lassen, ist Gegenstand einer Dissertation, die jetzt mit dem Hans Hench-Preis ausgezeichnet wurde.
Körperliches Training und Sport gehören bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zu den zentralen Maßnahmen einer Rehabilitation. Individuell angepasste Bewegungsstrategien führen nicht nur zu einer Verbesserung von Funktion und Schmerz, sondern beeinflussen auch weitere Aspekte wie zum Beispiel die psychische Gesundheit positiv. Dennoch ist es oft schwierig für die Patienten, ein höheres Maß an körperlicher Aktivität auch langfristig beizubehalten.
In der Regel liegt bei den Betroffenen kein Wissensdefizit vor, sondern - anlog zu Gesunden - eher ein Motivationsdefizit. Wie eine Verhaltensänderung hin zu einem aktiven Lebensstil der Patienten nachhaltig gelingen kann und welche Faktoren die Motivation zu körperlicher Bewegung positiv beeinflussen bzw. einschränken, hat die Diplom-Psychologin, Kerstin Mattukat, in ihrer Dissertation zur Bewegungsmotivation von Rehabilitanden mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen untersucht. Dafür hat sie den diesjährigen Hans Hench-Preis auf dem Jahreskongress der der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Bremen überreicht bekommen.
Mattukat zufolge sei grundsätzlich festzustellen, dass bestimmte soziodemografische Parameter die Bewegungsmotivation negativ beeinflussen können: Frauen und ältere Patienten seien durchschnittlich weniger körperlich aktiv. Gleiches gelte für ethnische Minderheiten und Menschen mit geringer Schulbildung. „Junge, männliche Patienten mit höherer Schulbildung haben dagegen gute Voraussetzungen für körperliche Aktivität", erklärte Mattukat.
Keinen Einfluss hätten hingegen Faktoren wie Familienstand, Wohnsituation, Erwerbstätigkeit und Einkommen. Als hinderlich wirkten sich bei den Patienten aber funktionelle Einschränkungen, Schmerzen, Depressivität, Erschöpfung, Rauchen, Übergewicht/Adipositas, Arbeitsunfähigkeit oder Komorbiditäten aus. Aus Sicht des Patienten ergäben sich wiederum andere Faktoren, die das Bewegungsverhalten im positiven wie negativen Sinne beeinflussen können, wie beispielsweise Zeitressourcen oder innere Motivation.
Eine wichtige Rolle spiele die Angst der Patienten vor einer Krankheitsverschlimmerung, sei es infolge von Bewegung oder Bewegungsmangel. Eindeutig fördernd wirke sich nicht nur dann die Teilnahme an rheumaspezifischen Patientenschulungen sowie die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe aus. Auch die soziale Unterstützung durch Familie, Freunde, Partner und nicht zuletzt den Arzt motivierten Rheuma-Patienten zu mehr Sport und Bewegung.
Ein wichtiger Indikator für mehr körperliche Aktivität reiche bis in die Kindheit zurück: Wer in dieser Zeit Spaß an Sport und Bewegung hatte, der lege den Grundstein für ein weiterhin aktives Leben, selbst nach einer rheumatischen Erkrankung. Grundsätzlich hätten die Untersuchungen festgestellt, dass die bei Rheuma-Patienten gefundenen Einflussfaktoren denen der Allgemeinbevölkerung durchaus ähneln, fasste Mattukat zusammen.
Dr. Florian Schuch, Mitglied im Vorstand des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh), sieht durch diese Arbeit einen weiteren Beleg dafür, dass Patientenschulung und Patientenedukation im stationären und ambulanten Betreuungsbereich notwendig und sinnvoll sind: „Können wir durch gruppendynamische Prozesse und interaktiven Austausch das Krankheitsverständnis fördern, die Eigenmotivation entwickeln, wird sich dies langfristig auf den Krankheitsverlauf der Patenten positiv auswirken. Leider werden diese Schulungen in der Regel nicht von den gesetzlichen Kranklenkassen bezahlt."
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
