02.08.2016

Wieso Rheumatoide Arthritis verschiedene Gelenke unterschiedlich betreffen kann

Forscher in Kalifornien haben gelenkspezifische Unterschiede bei Rheumatoider Arthritis entdeckt, die erklären, wieso ein und dasselbe Medikament unterschiedliche Effekte im Knie- und Hüftgelenk haben kann.

Während bei der verschleißbedíngten Arthrose meist diejenigen Gelenke betroffen sind, die am stärksten belastet wurden, sind bei Rheumatoider Arthritis (RA) die betroffenen Gelenke eher symmetrisch verteilt - zum Beispiel die gleichen Gelenke an beiden Händen. Außerdem schreitet die Entzündung bei RA meist von den kleinen zu den größeren Gelenken fort. Das könnte den Eindruck erwecken, dass die Entzündungsprozesse in den betroffenen Gelenken gleichartig verlaufen. Warum dennoch manche Gelenke sich früher entzünden, andere später oder gar nicht, war bisher unbekannt.

Um zu überprüfen, ob epigenetische Veränderungen, die zum An- oder Abschalten von Genen führen, die Ursache für die offensichtlich unterschiedlichen Entzündungsprozesse in verschiedenen Gelenken sind, haben Forscher um Wei Wang und Gary Firestein von der University of California San Diego School of Medicine die Genaktivitätsmuster von spezialisierten Zellen in der Gelenkinnenhaut  (Synoviozyten) untersucht (siehe Nature Communications, Online-Veröffentlichung am 10.6.2016). Tatsächlich stellten sie fest, dass sich die Genaktivität der Synoviozyten im Knie- und Hüftgelenk deutlich unterschied. Sie konnten zeigen, dass die epigenetischen Veränderungen - z.B. der Grad der DNA-Methylierung, bei der einzelne Methylgruppen (-CH3) übertragen oder entfernt werden - bei RA je nach Gelenk variieren. Das könnte erklären, warum ein und dasselbe Medikament in einem Gelenk (z.B. Knie) eine Verbesserung herbeiführen kann, in einem anderen Gelenk (z.B. Hüfte) aber nicht. 

Da von den epigenetischen Veränderungen auch bestimmte Schlüsselgene und Signalpfade betroffen sind, die man mit neuen Therapien blockieren könnte, hoffen die Forscher, dass sich künftig zielgerichtetere Medikamente entwickeln lassen, auf die alle Gelenke - nicht nur eine Untergruppe -ansprechen.