04.03.2020

Adipositas ist ein Krebsrisikofaktor

Starkes Übergewicht (Adipositas) erhöht erheblich das Risiko, an Krebs zu erkranken. Darauf weist das Deutsche Krebsforschungszentrum anlässlich des World Obesity Day am 4. März hin.

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Der World Obesity Day am 4. März macht auf das weltweit verbreitete Problem des starken Übergewichts (Adipositas mit einem BMI ab30) aufmerksam. Angesichts des Aktionstags betonen Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Bedeutung von Übergewicht für das Risiko, an Krebs zu erkranken. Übergewicht und insbesondere Fettleibigkeit sowie die damit einhergehenden Stoffwechselstörungen sind ernstzunehmende Risikofaktoren bei einer Vielzahl an Krebserkrankungen. Vor allem die zunehmende Fettleibigkeit in der frühen Kindheit erfordert dringend präventive Maßnahmen.

Viele Menschen reduzieren die negativen Auswirkungen von starkem Übergewicht auf rein ästhetische oder modische Gesichtspunkte. Die damit einhergehenden schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen werden oft wenig ernstgenommen. Dass Fettleibigkeit, medizinisch „Adipositas“ genannt, außerdem ein nicht zu unterschätzender Krebsrisikofaktor ist, ist oft nicht mal bekannt. In einer Studie im Deutschen Ärzteblatt (2018, Band 115, Seite: 578-585) haben DKFZ-Epidemiologen um Ute Mons und Hermann Brenner berechnet, wie viele Krebsfälle in Deutschland tatsächlich auf die einzelnen Risikofaktoren zurückzuführen sind. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass allein 6,9 Prozent der Krebsneuerkrankungen auf das Konto des Übergewichts gehen. Das bedeutet, dass jedes Jahr etwa 30.000 Deutsche bedingt durch ihr Übergewicht an Krebs erkranken.

Brustkrebs nach den Wechseljahren, Darm- und Enddarmkrebs, Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom), Speiseröhrenkrebs und Nierenzellkrebs treten bei fettleibigen Menschen erheblich häufiger auf als bei Normalgewichtigen, wie die Experten der internationalen Krebsforschungsagentur in Lyon (IARC) veröffentlicht haben (siehe New England Journal of Medicine 2016, Band 375, Seite: 794-798). Außerdem erkranken adipöse Menschen häufiger an Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Eierstockkrebs oder an einem Multiplen Myelom. Die Studiendaten weisen auf einen Zusammenhang von Dosis und Wirkung: Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit ist, desto höher das Krebsrisiko. Allerdings spielt das Übergewicht nicht bei allen Krebsarten die gleiche Rolle: Bei Gebärmutter- und Nierenkrebs oder bei Adenokarzinomen der Speiseröhre ist fast die Hälfte aller Fälle durch Adipositas bedingt.

Rudolf Kaaks, ebenfalls Epidemiologe am DKFZ, gibt außerdem zu bedenken: „Insbesondere das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ist der Krebstreiber, nicht so sehr die Fettpölsterchen an Po und Beinen. Deshalb haben oftmals auch Personen, die eigentlich als schlank durchgehen, ein erhöhtes Krebsrisiko, ohne etwas davon zu ahnen.“

Besonders besorgt die Experten, dass der Risikofaktor Adipositas seinen Ursprung oft bereits in der frühen Kindheit hat: „Es ist zu erwarten, dass 2022 weltweit mehr adipöse als untergewichtige 5- bis 19-Jährige leben werden. Innerhalb von nur 40 Jahren, zwischen 1975 und 2016, ist die Rate fettleibiger Kinder von unter einem Prozent auf annähernd sechs Prozent bei Mädchen sowie fast acht Prozent bei Jungen gestiegen“, berichtet Hermann Brenner und bezieht sich auf eine internationale Untersuchung, an der er beteiligt war (siehe The Lancet, 10.10.2017). So haben sich Kinder und Heranwachsende in vielen Teilen der Welt sehr schnell von der untergewichtigsten zur übergewichtigsten Bevölkerungsgruppe entwickelt. Die Autoren gehen davon aus, dass dies vor allem mit dem Konsum von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte zusammenhängt, etwa stark verarbeiteten Kohlenhydraten.

Hier sieht Brenner erheblichen Handlungsbedarf für die Politik: „Präventiven Maßnahmen sollte höchste Priorität eingeräumt werden. So könnten eine einfache Kennzeichnung der Lebensmittel und eine gesundheitsförderliche Preispolitik, etwa durch gestaffelte Mehrwertsteuersätze, wichtige Anreize für eine gesunde Ernährung in der Familie liefern. Auch das schulische Umfeld sollte dringend ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung fördern.“

„Zu den biologischen Vermittlern dafür, dass Übergewicht Krebs fördert, zählen beispielsweise Sexualhormone und Entzündungsbotenstoffe, die vom Fettgewebe produziert werden“, erklärt Mathias Heikenwälder, Stoffwechselforscher am DKFZ. Dass Entzündungen ein Krebsbeschleuniger sind, weiß man heute sehr gut. Sexualhormone wirken auf viele Zellen als Wachstumsfaktoren, die das Krebswachstum antreiben. Bei Übergewichtigen finden sich darüber hinaus erhöhte Mengen des Wachstumsfaktors IGF (Insulin like growth factor), der ebenfalls das Zellwachstum antreibt.

„Es ist schwer, dauerhaft abzunehmen“, resümiert Rudolf Kaaks. „Mein persönlicher Tipp ist daher: Achten Sie darauf, dass sich die Pfunde gar nicht erst ansammeln. Achten Sie auch schon bei Ihren Kindern darauf. Das ist ein sinnvoller Beitrag zur Krebsprävention!“

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

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