04.03.2009

Antikörper soll Krebs der Bauchspeicheldrüse hemmen

Der neue Wirkstoff könnte bei erfolgreicher Testung in einigen Jahren zur Behandlung eingesetzt werden...

Antikörper sind in der Lage, das Tumorwachstum zu blockieren, indem sie bestimmte Eiweißmoleküle hemmen und so dafür sorgen, dass Wachstumssignale nicht an Krebszellen weitergeleitet werden. Ein neuer Wirkstoff, der auf der Grundlage dieses Prinzips entwickelt wurde, wird nun in einer klinischen Studie (Phase II) an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg sowie an weiteren Zentren in Deutschland und in anderen europäischen Ländern in Zusammenarbeit mit Zentren in den USA überprüft.

An der Studie teilnehmen können Patienten, die an fortgeschrittenem, inoperablem Krebs der Bauchspeicheldrüse leiden und bisher keine medikamentöse Therapie zur Behandlung ihrer Erkrankung erhalten haben. Ziel ist es, die Wirksamkeit des neuen Medikaments, insbesondere seine Hemmung des Mesothelin, zu überprüfen. Mesothelin ist ein Protein, das unter anderem auf Pankreastumorzellen überaktiv ist.

Antikörper bekämpfen gezielt Krebszellen

Die Standardbehandlung von inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht in der Regel in einer Chemotherapie. Diese vermag zwar bei einem Teil der Patienten den Krankheitsverlauf zu verzögern, der Therapieerfolg ist jedoch meist unbefriedigend. Auch vielfältige Versuche, durch Kombination mehrerer Medikamente die Erfolgsaussichten zu verbessern, waren bislang wenig erfolgreich. "MORAb-009", so die Bezeichnung des neuen Wirkstoffs, ist ein monoklonaler Antikörper und Mesothelin-Hemmstoff. Monoklonale Antikörper sind hochspezifisch, und Zellen, die kein Mesothelin bilden, werden deshalb nicht durch eine Behandlung beeinflusst. Die Substanz gehört daher nicht zur Gruppe der klassischen Zytostatika, die sämtliche Zellen im Körper - also auch die gesunden - attackieren, sondern greift ganz gezielt in wichtige Zellregulationsvorgänge ein, die für das Wachstum von Krebszellen verantwortlich sind.

Ebenfalls im Rahmen einer klinischen Studie wurden bislang Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in den USA mit diesem Medikament behandelt. Die dabei dokumentierten Beobachtungen zeigten eine im Wesentlichen gute Verträglichkeit. Unerwartete, schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten. Über die Wirksamkeit speziell bei Krebs der Bauchspeicheldrüse lässt sich jedoch erst nach Abschluss der jetzt laufenden Studie eine Aussage treffen. Für eine Marktzulassung muss der Antikörper darüber hinaus in weiteren Studien an mehr Patienten erfolgreich geprüft werden.

Derzeit sind bereits mehrere monoklonale Antikörper bei verschiedenen Tumorarten im Einsatz. Tumorzellen produzieren auf der Zelloberfläche eine Reihe von Proteinen im Übermaß, die eine Rolle beim Tumorwachstum spielen. Wenn sich diese Moleküle durch Medikamente hemmen oder neutralisieren lassen, könnte das Wachstum von Tumoren verlangsamt oder aufgehalten werden. Der Wirkstoff MORAb-009 ist der erste Mesothelin-Hemmstoff, der bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs geprüft wird.