29.06.2010
Arthritis künftig gezielter behandelbar
Ein neues Testverfahren für Patienten mit rheumatoider Arthritis soll künftig bereits vor Therapiebeginn vorhersagen, ob die angestrebte Behandlungsform wirksam sein wird.
Menschen, die an rheumatoider Arthritis erkranken, weisen zu hohe TNF-Spiegel (TNF = Tumor-Nekrose-Faktor) auf. Dieser Botenstoff ist unter anderem für die schmerzhaften Entzündungen der Gelenke verantwortlich, an denen die Patienten leiden. Antikörper gegen TNF (sog. Anti-TNF-Antikörper) können TNF hingegen gezielt neutralisieren. Diese Therapie ist vornehmlich bei Patienten wirksam, die verstärkt das Gen CD11c bilden, was bei circa 60 Prozent der Betroffenen zutrifft.
Jetzt hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Bruno Stuhlmüller vom Institut für Rheumatologie und klinische Immunologie an der Berliner Charité ein neues Testverfahren für Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickelt (siehe Clinical Pharmacology and Therapeutics 2010, Band 87/3, Seite: 311–321). Die Wissenschaftler hatten zunächst das Blut von Patienten, die unter rheumatoider Arthritis leiden, auf molekularbiologischer Ebene untersucht. Hierbei konnte ein eindeutiger statistischer Zusammenhang zwischen dem zu erwartenden Therapieerfolg und der Stärke des Gens CD11c gezeigt werden. Damit soll es künftig möglich sein, bereits vor Beginn der Therapie vorherzusagen, ob eine Behandlung mit anti-Tumor-Nekrose-Faktor-Antikörpern (anti-TNF) wirksam sein wird. Zukunft wird es also möglich sein, vor der Therapie zu testen, ob für Patienten die Therapie mit anti-TNF erfolgreich sein wird. „Wenn eine Behandlung mit anti-TNF keine Wirkung zeigt, kostet das die Krankenkassen zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Jahr“, erklärt Stuhlmüller. „Bei einer gezielten Therapie bleiben dem Patienten außerdem schmerzhafte Nebenwirkungen erspart. Zusätzlich kann man bei einem potentiellen Nichtansprechen auf die anti-TNF-Behandlung andere individuelle Therapien einleiten.“
In einem nächsten Schritt wollen Stuhlmüller und seine Kollegen nun herausfinden, wie man neue Antikörper-Therapien mit anderen Behandlungsmöglichkeiten kombinieren kann. „Die Verknüpfung unterschiedlicher Therapieformen hat das Potential, die Krankheit individuell stabiler zu halten und das Fortschreiten der Erkrankung zu unterdrücken“, hofft Stuhlmüller.
