03.09.2013
Auch mit Rheuma steht einem Kinderwunsch meist nichts entgegen
Eine Schwangerschaft kann bei Rheumapatientinnen zwar problematischer verlaufen als bei gesunden Frauen, ein bestehender Kinderwunsch lässt sich dennoch meistens erfüllen.
Immer noch bekommen mehr als die Hälfte der Frauen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen weniger Kinder als ursprünglich geplant. Denn eine Schwangerschaft kann bei ihnen problematischer verlaufen als bei gesunden Frauen. So erleiden Patientinnen mit Gelenkrheuma - rheumatoide Arthritis (RA) - fast doppelt so häufig eine Frühgeburt oder bringen ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Lebendgeburten dank neuer Erkenntnisse in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Mehr als 20 Prozent der Frauen mit RA - der häufigsten entzündlich rheumatischen Erkrankung - erhalten die Diagnose vor dem ersten Kind. „Die meisten Frauen mit Rheuma müssen auf Kinder aber nicht verzichten", sagt die Rheumatologin Dr. med. Rebecca Fischer-Betz, Sprecherin des DGRh-Arbeitskreises ‚Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen‘. Der Zeitpunkt einer Schwangerschaft sollte jedoch gut geplant sein: „Wir empfehlen eine Phase, in der die Erkrankung stabil ist."
Wichtig ist eine Überprüfung der Medikation. Einige Antirheumatika müssen vor der Schwangerschaft aufgrund erhöhter Risiken für kindliche Fehlbildungen abgesetzt werden, beispielsweise Methotrexat.
Kortison darf zwar in der Schwangerschaft eingesetzt werden, bei dauerhaft höheren Dosierungen können jedoch negative Effekte für die Mutter beziehungsweise den Schwangerschaftsverlauf eintreten. „Zudem liegen uns aus Registern erste Daten zum Einsatz neuerer Therapieformen wie den Biologika bei Kinderwunsch vor", berichtet die Oberärztin vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Aufgabe des Rheumatologen sei es, Nutzen und Risiken dieser Arzneimittel abzuwägen und gegebenenfalls umzustellen. „Je besser Frauen mit Rheuma medikamentös eingestellt sind, desto weniger Erkrankungsschübe und Komplikationen erleben sie in der Schwangerschaft."
Einige Frauen benötigen während der Schwangerschaft sogar weniger Medikamente. Denn bei der RA verbessert sich der Krankheitsverlauf in der Schwangerschaft bei etwa 60 Prozent. Allerdings tritt bei 90 Prozent nach der Geburt eine Verschlechterung ein.
Ganz anders gestaltet es sich hingegen bei Patientinnen mit Systemischem Lupus Erythematodes (SLE), der so genannten Schmetterlingserkrankung. „Bei 30 bis 40 Prozent treten während einer Schwangerschaft Krankheitsschübe auf", so Fischer-Betz. Dies betrifft besonders Frauen mit einer Nierenbeteiligung. Außerdem ist bei SLE das Risiko für Fehlgeburten, Schwangerschaftsvergiftungen
und Frühgeburten etwa drei Mal höher als bei gesunden Frauen. Betroffene sollten eine Schwangerschaft besonders sorgfältig planen und einen Zeitraum wählen, in der die Erkrankung nicht aktiv sei, empfiehlt die Rheumatologin. Während der Schwangerschaft seien regelmäßige Kontrollen bei einem Rheumatologen notwendig.
So sei es nicht zuletzt durch verbesserte Planung gelungen, die Anzahl der Lebendgeburten seit Ende der 1990er Jahre von 60 auf derzeit 85 bis 90 Prozent zu verbessern, betont Fischer-Betz. Wie Rheumapatientinnen ihre Schwangerschaft sicher planen, werden Experten auf einer Pressekonferenz des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) erklären, die am 19. September 2013 von 11 bis 12 Uhr in Mannheim stattfindet.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
