05.03.2013

Bald auch Impfung gegen häufigsten Typ der Hirnhautentzündung möglich

Meningokokken lösen eine Infektionskrankheit aus, die vor allem für Kinder oder Immunschwache tödlich sein kann. Ab Mitte des Jahres wird man gegen den Typ B impfen können.

Meningitis - eine bakterielle Hirnhautentzündung - wird in den häufigsten Fällen durch Meningokokken hervorgerufen. Daneben gibt es jedoch weitere Erreger, gegen die man zum Teil impfen kann. Rund zehn Prozent der Deutschen tragen das Bakterium im Nasen-Rachen-Raum mit sich herum, ohne es zu spüren. Treffen die Meningokokken jedoch auf ein geschwächtes Immunsystem, können sie vor allem für Kinder lebensgefährlich werden. In 70 Prozent der Fälle steckt der Meningokokken-Serotyp B dahinter, gegen den man bislang vorbeugend nichts tun konnte.

Sich gegen Meningokokken impfen zu lassen, ist auch in Deutschland nichts Neues. Rund 13 verschiedene Serotypen des Bakteriums gibt es. Die schützende Spritze konnten Eltern ihren Sprösslingen bisher gegen Typ C, der beispielsweise in England, Spanien oder auch in einigen Regionen Deutschlands gehäuft auftritt sowie gegen die Typen A, Y und W135 geben lassen. Durch das Schutzraster fiel jedoch der Typ, der hierzulande in 70 Prozent der Fälle schlimme Hirnhautentzündungen auslöst: Serotyp B. Etwa jeder zehnte, der an dieser Meningokokken-Infektion erkrankt, stirbt.

Doch jetzt können viele Kinder- und Jugendärzte und mit ihnen möglicherweise auch besorgte Eltern aufatmen: Die Europäische Kommission hat einen ersten Meningokokken-B-Impfstoff genehmigt. Er soll Kinder ab dem Säuglingsalter vor der gefährlichen und mitunter tödlich verlaufenden Infektionskrankheit schützen.

Nach Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte tritt die durch den B-Typ ausgelöste Erkrankung in Deutschland etwa 400-mal pro Jahr auf. Laut Angaben des nationalen Referenz-Zentrums für Meningokokken in Würzburg werden etwa 70 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen hierzulande durch den Serotyp B ausgelöst, im Säuglingsalter sogar über 80 Prozent. Die Bakterien werden per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Anniesen oder Anhusten reicht, um sich mit den hochansteckenden Bakterien zu infizieren und eine Meningitis auszulösen. Die häufigsten Ansteckungen ereignen sich im Säuglingsalter, sagen die Kinderärzte.

 „In der Praxis sind Meningokokken-Infektionen besonders gefürchtet, da diese Erkrankung sehr schnell verläuft und tatsächlich innerhalb von 24 Stunden auch tödlich enden kann. Bereits zwei bis vier Tage nach der Ansteckung treten zunächst unspezifische Symptome wie Unwohlsein und Kopfschmerzen auf - oft verbunden mit hohem Fieber", erklärt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Das Krankheitsbild kann sich durch Schüttelfrost, Schwindel und Erbrechen ergänzen. Typisches Zeichen einer Hirnhautentzündung ist die Nackensteifigkeit. Betroffene Patienten überstrecken häufig das Hohlkreuz und drücken den Kopf ins Kissen, als wollten sie es aufspießen. In schweren Fällen kommt es zu kleinen Blutungen, die sich in roten Hautflecken äußern. Bei Babys äußert sich die Erkrankung zunächst wie eine Grippe: Die Kinder schreien viel und verweigern das Essen. Auch können Krämpfe auftreten, bei der die Fontanelle zwischen den Schädelplatten sich vorwölbt.

Wer bei seinem Kind eine Meningitis vermutet, der sollte schnell handeln. Die Erreger breiten sich rasend schnell aus. „Blutvergiftungen können auftreten, und nicht selten kommt dann jede Hilfe zu spät", warnt Dr. Wolfram Hartmann. Selbst bei Kindern, die gerettet werden, kommt es manchmal zu Spätfolgen wie Hörverlust oder Krampfleiden.

Impfen konnte man bisher Kinder ab dem 2. Monat gegen einige Meningokokken-Erreger. Machtlos jedoch stand man bisher dem Serotyp gegenüber, der hierzulande und in Europa am häufigsten auftritt. Durch die Zulassung eines Impfstoffs gegen den Serotyp B können vermutlich ab Mitte des Jahres Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat auch dagegen geimpft werden. Der Berufsverband der Kinderärzte erwartet, dass diese wichtige Impfung rasch in den Impfkalender für Säuglinge und Kleinkinder aufgenommen und von allen Krankenkassen bezahlt wird.

Quelle: wat

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