05.05.2015

Empfänger von Blutprodukten vor den 90ern sollten sich auf Hepatitis C testen lassen

Bis 1991/1992 wurden Blutprodukte noch nicht auf Hepatitis-C-Viren überprüft, eine Infektion kann unbehandelt allerdings zu Leberzirrhose und -Krebs führen. Daher rät der BDI zur ärztlichen Abklärung.

Patienten, die in der Vergangenheit (vor 1991/92) Blut oder Blutprodukte erhalten haben, waren damals dem Risiko einer Infektion mit der Lebererkrankung Hepatitis C ausgesetzt und sollten sich daher testen lassen. Dazu raten Spezialisten des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI). „In Deutschland wurden Blutspenden vor 1991 bis 1992 nicht auf Antikörper gegen Hepatitis-C-Viren (HCV) getestet. Bis dahin stellte der Erhalt von Blutprodukten noch einen recht häufigen Übertragungsweg für Hepatitis C dar", erläutert Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. Heutzutage ist das Infektionsrisiko durch Bluttransfusionen in Deutschland als ausgesprochen gering einzustufen und betrifft etwa eine Person unter mehr als vier Millionen Blutprodukteempfängern. In vielen anderen Ländern sind kontaminierte Blutprodukte bzw. unhygienische Injektionspraktiken allerdings auch gegenwärtig immer noch für die Übertragung des Hepatitis-C-Erregers verantwortlich.

Heilung der Patienten ist heutzutage möglich!

Eine Infektion mit HCV führt zu Entzündungen der Leber, die oft jahrelang unbemerkt bleiben, da auftretende Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit recht unspezifisch sind. „Unbehandelt verlaufen rund 80% der Erkrankungen chronisch - schwere Leberschädigungen bis hin zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs können dann die Folge sein", warnt Prof. Berg. Zum Nachweis einer HCV-Infektion wird zunächst eine Blutprobe des Patienten auf Antikörper gegen HCV überprüft. Sind solche Antikörper vorhanden, wird dieser Befund durch einen Nachweis von Erbmaterial des Virus bestätigt. „Liegt tatsächlich eine HCV-Infektion vor, muss auch der Genotyp des Virus bestimmt werden, da dieser die Auswahl der Medikamente mit bestimmt. Zur Behandlung stehen seit 2015 ganz neuartige Wirkstoffe (sog. direct-acting antivirals = DAA) zur Verfügung, die ohne Interferon einsetzbar sind und weitere Vorteile gegenüber früheren Therapeutika haben: Sie wirken schneller, verursachen kaum Nebenwirkungen und führen in über 90 % zu einer vollständigen Elimination des Hepatitis C-Virus. Nach der Heilung der HCV-Infektion kommt es bei der Mehrzahl aller Patienten auch zu einer Rückbildung der Entzündung und Vernarbungen der Leber - in manchen Fällen sogar zu einer Rückbildung der Zirrhose - und das Risiko für Leberkrebs wird erheblich gesenkt", erläutert Prof. Berg.

Quelle: äin-red

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