04.03.2014
Entzündliches Rheuma erhöht Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall
Zur Vorbeugung raten Rheumatologen zu Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Cholesterinsenkung, Abbau von Fettleibigkeit und Raucherentwöhnung.
Zwar kann die rheumatoide Arthritis (RA) heutzutage weitaus besser behandelt werden als noch vor
einigen Jahren. Dennoch sterben RA-Patienten im Durchschnitt fünf bis zehn Jahre früher als Nicht-Betroffene. Ein Grund für die geringere Lebenserwartung sind Begleiterkrankungen von Herz und Gefäßen, an denen Menschen mit entzündlichem Rheuma doppelt so häufig leiden wie gesunde Menschen.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung wird bei RA-Patienten ein Herzinfarkt zweimal so häufig nicht erkannt. Außerdem erleiden sie doppelt so oft einen plötzlichen Herztod. „Am besten beugen RA-Patienten Gefäß-Komplikationen vor, indem die Krankheitsaktivität therapeutisch unterdrückt wird", betont Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion
Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie Medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des ACURA-Rheumazentrums Baden-Baden. Darüber hinaus sei es wichtig, dass sie alle anderen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung oder eine Arteriosklerose vermeiden. Dazu gehört insbesondere das Rauchen, das nicht nur die Arthritis verschlimmert und schwieriger einstellen lässt,
sondern auch das Risiko für einen Herzinfarkt bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen
Erkrankungen mehr als verdoppelt.
Außerdem sollten Betroffene ein normales Körpergewicht anstreben. Denn das sogenannte metabolische Syndrom - Übergewicht in Verbindung mit Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten und
Insulinresistenz - ist bei RA-Patienten weit verbreitet. „Hinzu kommt, dass viele keinen oder zu wenig Sport treiben", mahnt Lorenz. All dies wiederum erhöht die Gefahr, einen Schlaganfall
oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Der Rheumatologe empfiehlt die vorbeugende Behandlung sämtlicher Risikofaktoren: Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Cholesterinsenkung, Bekämpfung von Adipositas sowie eine Raucherentwöhnung. Ferner rät Lorenz bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, zu einem möglichst geringen Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Glukokortikoiden. Diese Medikamente wirken bei RA-Patienten zwar entzündungshemmend und schmerzlindernd, sie stehen aber auch unter Verdacht, das kardiovaskuläre Risiko zu erhöhen.
In einem Fachartikel, der Anfang September 2013 in der „DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift" erscheint (siehe Akt Rheumatol 2013; 38: 184-188), verweisen die Münchener Autoren darauf, dass neben RA auch weitere chronische Entzündungen mit einer erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Gefahr einhergehen. Am Beispiel der Arteriosklerose beschreiben sie neue Therapieansätze, die sowohl anti-entzündlich wirken als auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können.
Über Möglichkeiten der Vorbeugung und wie Rheuma-Patienten vor Folgeerkrankungen am besten geschützt werden können, war auch ein Thema auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 18. bis 21. September 2013 in Mannheim stattfand.
Quelle: Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
