04.09.2011

Erhöhter Harnsäurespiegel sollte nicht unbehandelt bleiben

Rheumatologen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) warnen anlässlich Ihres Jahreskongresses in München vor Gelenk- und Organschäden bei Gicht.

Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden an Gicht, einer meist angeborenen Stoffwechselerkrankung. Dabei häuft der Körper so viel Harnsäure an, dass sich deren Kristalle in Gelenken und anderen Geweben ablagern. Dort lösen sie Entzündungen aus und können zu schmerzhaften Gichtanfällen führen. Nur eine konsequente Therapie zur Absenkung des Harnsäurespiegels kann eine dauerhafte Schädigung von Gelenken und Organen verhindern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich ihres Jahreskongresses hin, der vom 31. August bis zum 3. September 2011 in München stattfand. 

„Wir sprechen von einer Gicht, wenn bei erhöhtem Harnsäurespiegel im Blut mindestens ein Gichtanfall aufgetreten ist", erklärt Prof. Dr. med. Stefan Schewe, Rheumatologe am Klinikum der Universität München. Meist ist dabei das Grundgelenk des großen Zehs betroffen. Es rötet sich, schwillt an und schmerzt stark. Bei einem Großteil der Patienten klingen die Beschwerden innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen von selbst wieder ab.

Doch nur ein dauerhaftes Absenken des Harnsäurespiegels kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Ohne Therapie lagern sich Harnsäurekristalle massiv in Knochen, Gelenken und inneren Organen ab und können diese nachhaltig schädigen. „Deshalb ist es so wichtig, bei Gichtpatienten einen Harnsäurespiegel von unter 6mg/dl zu erreichen", betont Schewe. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Produktion von Harnsäure im Körper vermindern. Zudem kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die das Ausscheiden der Harnsäure über die Nieren verbessern.

Zu Beginn der Therapie kann die Harnsäurekonzentration im Blut für kurze Zeit weiter ansteigen, weil durch die Medikamente abgelagerte Harnsäurekristalle aufgelöst werden. Damit erhöht sich zunächst auch das Risiko für akute Gichtanfälle. Aus diesem Grund führen viele Mediziner die Therapie zur Absenkung des Harnsäurespiegels häufig nicht oder nur unzureichend durch, kritisiert Schewe. Die zusätzliche Gabe von Medikamenten, die gegen den entzündungsfördernden Botenstoff Interleukin-1-beta gerichtet sind, kann die Anfälle neben anderen Medikamenten (zum Beispiel Colchizin in niedriger Dosierung) jedoch deutlich verringern.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)