20.04.2010

Gelbsucht: Ansteckungsgefahr durch Besuch beim türkischen Barbier

Bei einer Rasur durch einen türlischen Barbier besteht ein erhebliches Risiko, sich mit Hepatitis zu infizieren...

 

In Ländern mit hoher Verbreitung
von Hepatitis besteht ein deut-
liches Infektionsrisiko bei einem
Barbierbesuch. 

Eine traditionelle Rasur bei einem Barbier, wie sie manche Touristen bei einem Urlaub in der Türkei gerne in Anspruch nehmen, stellt ein erhebliches Risiko für eine Ansteckung mit Hepatitis B dar. „In einer aktuellen türkischen Studie waren fast 7% der verwendeten Rasiermesser mit Hepatitis-B-Viren verunreinigt. Ursache dafür ist, dass die Rasiermesser mehrfach wieder benutzt und unzureichend gereinigt werden", warnt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Er bezieht sich dabei auf eine neue Untersuchung von Forschern an der Universität in Samsun. Die Wissenschaftler in der Hafenstadt am Schwarzen Meer im Norden der Türkei überprüften mehr als 150 Rasierklingen aus verschiedenen Barbier-Salons auf Rückstände der gefährlichen Erreger. Das Ergebnis: 10 Klingen waren mit Hepatitis-B-Viren verunreinigt. Diese Form der infektiösen Leberentzündung ist in der Türkei weit verbreitet. Vor allem im Osten und Südosten des Landes sind viele Menschen mit Hepatitis B infiziert. Etwa 12-15% der Bevölkerung gelten dort als Virusträger. Die Ansteckung mit Hepatitis B erfolgt über das Blut oder durch Sexualverkehr. „Bereits kleinste Verletzungen können dabei zu einer Infektion führen. Die Ansteckungsgefahr ist bei Hepatitis B 100-mal höher als bei HIV", erklärt Prof. Löscher. Neben einer Infektion durch Rasierbesteck sind Schönheitsbehandlungen, Maniküre und Fußpflege sowie das Anbringen von Tätowierungen und Piercings mögliche Übertragungswege. Auch Hepatitis-C-Viren können durch solche bei verschiedenen Kunden verwendete Instrumente und Gerätschaften übertragen werden.

Im Gegensatz zu Hepatitis B wird Hepatitis A bereits durch verunreinigtes Wasser oder verschmutzte Lebensmittel übertragen. „Gefährlich ist daher beispielsweise der Verzehr von Muscheln, Früchten, Salaten sowie Eiswürfeln in Urlaubsländern, in denen die hygienischen Gegebenheiten nicht immer dem europäischen Standard entsprechen", warnt der BDI-Experte. Auch bei der Übertragung von Hepatitis A besteht in der Türkei ein erhöhtes Risiko. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts liegt die Türkei mit 36% an der Spitze der importierten Hepatitis-A-Fälle.

Hepatitis B - weltweit häufigste Ursache für Leberkrebs - Impfung empfohlen

Die akute Hepatitis führt typischerweise zu einer gelblichen Verfärbung der Haut und insbesondere der Augen. Auch Fieber und Durchfälle können auftreten. „Eine Hepatitis A heilt zwar in der Regel von selbst aus, vor allem bei Älteren und Patienten mit chronischen Leberkrankheiten kann sie jedoch lebensbedrohlich verlaufen" erläutert Prof. Löscher. Bei der Hepatitis B entwickelt ein Teil der Betroffenen eine chronische Leberentzündung, die zu schweren Komplikationen führen kann. Nicht selten geschieht dies ohne dass eine akute Verlaufsform bemerkt wurde und die ersten Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit und Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens treten erst nach Monaten bis Jahren auf. Die Folge kann eine Leberzirrhose sein. Eine chronische Infektion erhöht das Risiko für Leberkrebs gegenüber der Normalbevölkerung um das 100-fache. „Vor einer Reise in die Türkei sowie in andere beliebte Reiseziele deutscher Touristen, wie zum Beispiel Ägypten oder Tunesien, ist daher eine Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B in Erwägung zu ziehen", empfiehlt Prof. Löscher.