19.07.2016

Gicht sollte nicht unbehandelt bleiben

Fast ein Viertel der Patienten mit chronischer Gicht machen offenbar keine harnsäuresenkende Therapie. Ohne normalisierten Harnsäurespiegel drohen ihnen allerdings Folgeerkrankungen.

Gicht ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration (Hyperurikämie) im Blut ausgelöst wird. Besteht die Hyperurikämie über einen längeren Zeitraum, können sich oberhalb eines bestimmten Harnsäure-Grenzwerts im Blut Harnsäurekristalle in Geweben (Gichttophi), Gelenken (Arthritis urica) und den Nieren (Nierengrieß, Nierensteine) ablagern. Die Ablagerungen in den Gelenken rufen rheumatische Beschwerden hervor, z. B. Entzündungen, Schwellungen und starke Schmerzen. Die Behandlung einer chronischen Gicht zielt darauf ab, den Harnsäure-Spiegel auf Dauer zu normalisieren (5,5-6,4 Milligramm/Deziliter). Wird dieses Ziel nicht erreicht, drohen wiederkehrende Gichtanfälle und Folgeerkrankungen wie Gelenkschäden, Gichtknoten, Nierenschäden und Nierensteine.

Allerdings scheint nur eine Minderheit der Gicht-Patienten innerhalb von 30 Tagen nach der Diagnose eine harnsäuresenkende Therapie zu bekommen. Das hat eine Datenbank-Analyse mit über 18.000 Gicht-Patienten in Schweden ergeben (EULAR 2016, Poster THU0520), in der nur von 22 Prozent der Probanden medikamentös behandelt wurden. Innerhalb des auf die Diagnose folgenden Jahres wächst dieser Anteil zwar etwas an, aber nur auf 34 Prozent.

Patienten, die mit größerer Wahrscheinlichkeit behandelt wurden, waren entweder männlich, älter als 60 Jahre oder hatten eine oder mehrere Begleiterkrankungen, insbesondere eine eingeschränkte Nierenfunktion. Von den Patienten in Behandlung unterbrachen 39 Prozent innerhalb von 125 Tagen die Therapie zeitweilig, innerhalb des gesamten Beobachtungsjahres sogar 65 Prozent. Dabei ist es in den meisten Fällen einer chronischen Gicht erforderlich, die harnsäuresenkende Therapie konsequent - und dies oft bis zum Lebensende - durchzuziehen.

„Diese Daten spiegeln den Alltag wider", bestätigt Dr. Florian Schuch, Rheumatologe in Erlangen und Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Rheumatologen (BDRh). „Im akuten Gichtanfall besteht hoher Leidensdruck und dementsprechend eine hohe Patienten-Compliance (also Therapietreue). Ist der Anfall wieder abgeklungen, lässt - wie bei vielen chronischen Erkrankungen, die klinisch stumm vor sich „hinköcheln" - die Therapietreue allerdings rasch nach. Gute Patientenunterrichtung, Erzielen einer eigenmotivierten Medikamenteneinnahme sind und bleiben eine Herausforderung. Zu Beginn der Therapie ist daher ausführliche Information und der begleitende Einsatz des Gicht-Medikaments Colchicum dispert (vgl. Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie: „Choosing wisely!") von ganz entscheidender Bedeutung."

Quelle: Ärzte Zeitung vom 27.6.16