31.08.2020

Gute Immunreaktion gegen Coronaviren auch nach Immunsuppression

Patienten, die wegen einer Organtransplantation immununterdrückende Medikamente einnehmen müssen, weisen dennoch eine gute Immunantwort auf Coronaviren (Sars-Cov-2) auf.

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Eine Immunsuppression führt offenbar nicht unbedingt auch zu einer schlechteren Immunantwort gegen Coronaviren (SARS-CoV-2). Einer von deutschen Virologen der Ruhr-Universität Bochum durchgeführten Fallstudie zufolge sind nämlich Patienten nach einer Organtransplantation sehr wohl in der Lage, trotz Immunsuppression eine ausreichende Immunantwort aufzubauen: Neben hohen Antikörper-Titern waren auch viele T-Lymphozyten nachweisbar, die für das Abtöten infizierter Zellen zuständig sind. Den Wissenschaftlern zufolge könne ein im Immundiagnostiklabor des Marien-Hospitals entwickelter Test zum Nachweis dieser Immunantwort auch dabei helfen, die immununterdrückende Therapie während einer COVID-19-Erkrankung individuell anzupassen (siehe American Journal of Transplantation, Onlineveröffentlichung am 10. August 2020).

Chronisch Kranke und Patientinnen und Patienten mit gestörter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Transplantierte sind in mehrfacher Hinsicht betroffen: Neben der chronischen Erkrankung, die zum Organversagen und der nachfolgenden Transplantation geführt hat, müssen transplantierte Patienten Medikamente einnehmen, die die Abwehrfähigkeit des eigenen Immunsystems unterdrücken. „Diese Immunsuppressiva sind notwendig, um zu verhindern, dass der Körper transplantierte Organe abstößt. Sie können jedoch dazu führen, dass Virusinfektionen gehäuft auftreten“, erklärt Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für Translationale Medizin am Marien-Hospital Herne, die gemeinsam mit Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I am Marien-Hospital Herne, das Team geleitet hat, zu dem unter anderen auch Forscherinnen und Forscher der Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der RUB sowie der Chirurgischen Klinik des Knappschaftskrankenhauses Langendreer gehörten. „Bisher war nicht bekannt, ob unsere transplantierten Patienten in der Lage sind, eine ausreichende Immunantwort gegen das neue Coronavirus auszubilden“, betont Timm Westhoff.

Der Test ist für Transplantierte von großer klinischer Relevanz: Die daraus ablesbaren Informationen gehen über einen reinen Antikörpertest deutlich hinaus, da er auch eine individuelle Anpassung der Immunsuppression während einer COVID-19-Erkrankung ermöglicht. „Die gewonnenen Daten helfen uns im Umgang mit Immunsuppression während der aktuellen Pandemie", unterstreicht Timm Westhoff.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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