28.06.2015
Hepatitis C bei Konsumenten intravenöser Drogen besonders häufig
Menschen mit einer Vergangenheit des intravenösen Drogenmissbrauchs sollten sich aufgrund ihres hohen Ansteckungsrisikos auf Hepatitis C testen lassen. Dazu rät der BDI.
In Deutschland sind Infektionen mit Hepatitis C bei intravenös Drogen gebrauchenden Menschen deutlich stärker verbreitet als in der Allgemeinbevölkerung; 23 bis 54 Prozent von ihnen sind chronisch mit Hepatitis C infiziert. Darauf machen Experten der Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de aufmerksam mit Hinweis auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts, die im Zeitraum von 2011 bis 2015 in acht Städten Deutschlands in Kooperation mit Einrichtungen der Drogenhilfe, lokalen AIDS-Hilfen und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst durchgeführt wurde (siehe Epidemical Bulletin 2015, Band 22, Seite 191). Intravenöser Drogenkonsum als bedeutendster Risikofaktor für eine Ansteckung mit Hepatitis C geht außerdem aus einer weiteren aktuellen Studie unter Leitung von Forschern des Universitätsklinikums Leipzig hervor, in der bislang unbekannte Infektionen mit Hepatitis-C-Viren (HCV) im Rahmen der kostenlosen Gesundheitsuntersuchung „Check-Up 35+" beim Arzt durch zusätzliche Testung der Patienten auf Antikörper gegen HCV aufgedeckt wurden (siehe Journal of Hepatology 2015, Band 62, Seite: 1256-1264). Dabei wurde festgestellt, dass HCV-Infektionen am häufigsten bei Patienten auftreten, die intravenös Drogen gebrauchen - in erheblichem Abstand gefolgt von weiteren bekannten Risikogruppen (mit Bluttransfusionen vor 1992 oder Migrationshintergrund). „Drogenabhängige sind vor allem durch die Mehrfachnutzung von verunreinigten Spritzen oder anderem Drogenbesteck stark gefährdet, sich mit HCV zu infizieren", erläutert einer der Experten, Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Angesichts des besonders hohen Ansteckungsrisikos von i.v-Drogenkonsumenten sollte am besten jeder Patient mit einer Vergangenheit des intravenösen Drogenmissbrauchs sich auf Hepatitis C testen lassen. Allerdings hat die RKI-Studie auch aufgezeigt, dass gerade bei Drogenabhängigen meist gravierende Wissenslücken über die Übertragungswege der HCV wie auch die Vermeidung einer Ansteckung bestehen. Hier herrscht also noch ein großer Bedarf an Aufklärung."
Gezielte Behandlung kann schwere Leberschädigungen durch Hepatitis C verhindern
Eine Infektion mit HCV bleibt oft jahrelang unbemerkt, da auftretende Symptome einer Leberentzündung wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit recht unspezifisch sind. Somit verlaufen rund 80% der Erkrankungen chronisch und können schwere Leberschädigungen bis hin zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs zur Folge haben. Während Hepatitis C lange Zeit als schwer behandelbar galt, stehen zur Therapie seit 2014 ganz neuartige Wirkstoffe (sog. direct-acting antivirals = DAA) zur Verfügung, die ohne Interferon einsetzbar sind und weitere Vorteile gegenüber früheren Therapeutika haben: Sie wirken schneller, verursachen kaum Nebenwirkungen und führen bei fast allen Patienten zu einer vollständigen Elimination des Hepatitis C-Virus. Nach Abklingen der HCV-Infektion kommt es bei der Mehrzahl aller Patienten auch zu einer Verringerung der Entzündung und Vernarbung der Leber - in manchen Fällen sogar zu einer Rückbildung der Zirrhose - und das Risiko für Leberkrebs wird erheblich gesenkt. „Umso wichtiger ist es, bislang undiagnostizierte Hepatitis-C-Infektionen zu erkennen und gezielt behandeln zu können", betont Prof. Berg.
Quelle: äin-red
Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.internisten-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Internisten-im-Netz verlinken.
