17.09.2009
Hepatitis C Virus verhindert Abtöten infizierter Zellen
Forscher erbeiten an der Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Hepatitis C...
Etwa 3% der Weltbevölkerung sind mit dem Hepatitis C Virus infiziert. 130 Millionen Menschen sind chronische Virusträger, von denen die Mehrzahl eine chronische Lebererkrankung entwickelt, die zu Leberzirrhose und Leberkarzinom führen kann. Bisher war unklar, wie es dem Virus gelingt, dauerhaft im Lebergewebe zu verbleiben. „In einer aktuellen Studie wurde nun erstmals ein Mechanismus entdeckt, der es dem Hepatitis C Virus zu ermöglichen scheint ein Abtöten befallener Leberzellen zu verhindern und die Infektion aufrechtzuerhalten. Diese Entdeckung könnte auch dazu beitragen, gezielt Medikamente gegen die bisher schwer zu behandelnde Krankheit zu entwickeln", berichtet Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und verweist dabei auf eine Studie von Forschern um Mark Harris von der Universität Leeds in Großbritannien. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.
In Körperzellen gibt es eine Art Notfallprogramm, das in Kraft tritt, wenn die Regulation der Zellfunktionen aus dem Ruder gerät. Es kommt dann zu einer gezielten Abtötung dieser Zelle. Man spricht dabei vom programmierten Zelltod, der so genannten Apoptose. Wie bei anderen von Viren verursachten chronischen Erkrankungen, wird dieses Notfallprogramm bei einer Infektion mit dem Hepatitis C Erreger verhindert. "Die britischen Forscher fanden heraus, dass das Hepatitis C Virus wichtige Abläufe beim programmierten Zelltod blockiert. Ein Bestandteil des Virus, das Protein NS5A, verhindert die Aktivierung des Ionenkanals Kv2.1. Dieser Ionenkanal sorgt beim normalen Ablauf der Apoptose für einen starken Ausstrom von Kalium-Ionen", erklärt Prof. Löscher. „Indem das Virus das Abtöten infizierter Zellen verhindert, wird es ihm ermöglicht, sich beständig in der Leber zu vermehren und damit die Hepatitis-Erkrankung aufrechtzuerhalten.
Möglicherweise liefert diese Veränderung von Ionenkanälen auch eine Erklärung für Beschwerden, die im Zusammenhang mit Hepatitis C häufig auftreten, wie zum Beispiel geringere geistige Leistungsfähigkeit, Depressionen, Insulinresistenz und Erkrankungen des Herzmuskels. Diese Krankheiten stehen ebenfalls mit einer Störung der Funktion von Ionenkanälen in Verbindung. „Virale Proteine, welche die Aktivität von Ionenkanälen beeinflussen, stellen in jedem Fall einen viel versprechenden Angriffspunkt bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Erkrankungen wie Hepatitis C dar", erläutert der BDI-Experte. „Im Moment sind bereits einige gegen das Virusprotein NS5A gerichtete Wirkstoffe in der klinischen Erprobung."
