25.08.2010
Höhere Impfraten bei medizinischem Personal schützt auch Patienten
Auch eine Impfung des Krankenhauspersonals ist eine wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Infektionen in Kliniken...
Angesichts der Diskussion um die Hygienestandards an deutschen Kliniken, die durch den Tod von drei frühgeborenen Säuglingen durch bakteriell verunreinigte Infusionslösungen auf der Mainzer Frühgeburtenstation ausgelöst wurde, weist der Infektiologe Prof. Dr. med Bernhard Ruf auf den häufig unzureichenden Impfschutz von medizinischem Personal hin. „Medizinisches Personal in Kliniken und Arztpraxen hat einen engen Kontakt mit Patienten und ist deshalb auch ein potentieller Überträger von Krankheitserregern", erklärt Ruf, der die Klinik für Infektiologie am Klinikum St. Georg in Leipzig leitet. „Deshalb sollten möglichst viele Beschäftigte im Gesundheitswesen gegen Infektionskrankheiten wie Hepatitis B, Influenza und Keuchhusten geimpft sein." Doch leider besteht hier nach wie vor ein großes Defizit. Bei medizinischem Personal ist Umfragen zufolge nur etwa jeder zweite gegen Hepatitis B geimpft und für die Grippe-Impfung sind die Zahlen noch deutlich schlechter. „In der Grippesaison 2007/2008 gaben bei einer Telefonumfrage nur 23 Prozent an, gegen Grippe geimpft zu sein. Vielen ungeimpften Medizinern und Krankenpflegekräften scheint das Infektionsrisiko, das von ihnen ausgeht, nicht klar zu sein", so Ruf, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) ist. So erklärten in einer anonymen schriftlichen Befragung am Universitätsklinikum Frankfurt am Main 42 Prozent des medizinischen Personals, sie ließen sich nicht gegen die Influenza impfen, weil sie kein Risiko für sich selbst sehen würden. „Auf den Gedanken, dass sie aber eine mögliche Infektionsquelle für ihre Patienten sein könnten, kamen sie offenbar nicht", wundert sich Ruf.
Patienten mit geschwächtem Immunsystem besonders gefährdet
Durch den intensiven Patientenkontakt besteht bei Ärzten und Krankenpflegepersonal eine erhöhte Infektionsgefährdung. Einer Untersuchung der Universitätsklinik Frankfurt am Main zufolge infizieren sich beispielsweise bis zu einem Viertel des medizinischen Personals während einer gewöhnlichen Grippesaison mit Influenza-Viren. Dagegen liegt die Infektionsrate bei Erwachsenen in der Gesamtbevölkerung bei 5 bis 15 Prozent. Zudem zeigte sich, dass bis zu drei Viertel der Erkrankten weiterarbeiten. „Sie werden dann zur Infektionsquelle für Patienten", warnt Ruf. „Besonders gefährlich kann es für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem werden. Bei ihnen kann es zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die im schlimmsten Fall tödlich enden." Auch ein Impfschutz gegen Hepatitis B und Keuchhusten sollte für jeden, der im medizinischen Bereich tätig ist, selbstverständlich sein. „Wer beispielsweise auf einer Kinderstation arbeitet und nicht gegen Keuchhusten geimpft ist, handelt fahrlässig. Hepatitis B ist 100mal infektiöser als das HI-Virus, das Aids auslöst", erklärt der Infektiologe. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Jedem bleibt es selbst überlassen, ob und gegen welche Krankheiten er sich impfen lässt. „Allerdings haben gerade diejenigen, die in Kliniken und Arztpraxen tätig sind, auch ihren Patienten gegenüber eine besondere Verantwortung", erklärt Ruf. „In unserem Klinikum in Leipzig haben wir durch intensive Aufklärung eine hohe Impfakzeptanz und für die Mitarbeiter in der Infektionsklinik die wichtigsten Impfungen verbindlich vorgeschrieben."
