18.09.2008
Individuelle Behandlung soll Heilungschancen bei Krebs verbessern
Einer neuen Studie zufolge unterscheiden sich Tumore der Bauchspeicheldrüse von Patient zu Patient. Sie sollten daher individuell behandelt werden...
Die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte in Zukunft erfolgreicher sein, wenn sie individuell an die Patienten angepasst wird, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mit. Denn jeder Bauchspeicheldrüsentumor entsteht als Folge mehrerer genetischer Veränderungen. Amerikanische Wissenschaftler haben verschiedene dieser Störungen identifiziert, die zu einer unkontrollierten Vermehrung der Bauchspeicheldrüsen-Zellen führen können. Die Entdeckung könnte dem BDI zufolge in Zukunft Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Medikamente gegen diese oft tödliche Krebserkrankung liefern.
Eine umfassende genetische Analyse des Erbguts von Bauchspeicheldrüsentumoren hat ergeben, daß es eine Gruppe von 12 Stoffwechsel- und Signalleitungswegen gibt, die vornehmlich verändert sein können (Science 2008, doi: 10.1126/science.1164382). Diese Veränderungen machen aus gesunden Zellen Krebszellen und betreffen Moleküle, die unter anderem Zellteilung, Zelltod oder die Reparatur von Erbgutveränderungen regulieren. Jeder individuelle Tumor weist dabei sein eigenes Muster an Veränderungen auf.
Jeder Tumor ist anders
Bild: Blutgefäße versorgen den
wachsenden Tumor mit Nährstoffen
(Antikörper können Wachstums-
faktoren des Tumors blockieren).Die Ergebnisse der US-Forscher haben große Bedeutung für die zukünftige Entwicklung von Wirkstoffen gegen Tumore der Bauchspeicheldrüse. „Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine komplexe Erkrankung - kein Tumor gleicht dem anderen. Deshalb ist es so schwierig, einen Wirkstoff zu finden, der gegen alle diese Varianten wirksam ist", erklärt Prof. Andreas Wagner von der Uniklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Erfolgsversprechender sei es daher, unterschiedliche Strategien zur Behandlung zu entwickeln. „Mit Hilfe von Gewebe- oder Erbgutanalysen könnte künftig der genaue Tumor-Typ bestimmt und dann individuell mit dem optimalen Wirkstoff behandelt werden", so Prof. Wagner. Erste Erfolge auf diesem Weg gibt es bereits: So haben Mediziner der Technischen Universität München eine Methode entwickelt, die geeignet sein könnte, in Zukunft zum Beispiel die Wirksamkeit von Gemcitabin bei Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten vorherzusagen (British Journal of Cancer 2008, 99: Seite 760).
Späte Diagnose verschlechtert Heilungsaussichten
Weltweit suchen Wissenschaftler mit Hochdruck nach neuen Behandlungsmöglichkeiten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Denn nach wie vor stirbt ein Großteil der Patienten innerhalb von 5 Jahren nach der Diagnose. Grund dafür ist, dass Tumore in der Bauchspeicheldrüse sich erst spät bemerkbar machen. Typische Symptome sind zwar Bauch- oder Rückenschmerzen, häufig gemeinsam mit Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust. Da aber eindeutige Frühsymptome fehlen, werden die Tumore meist zu spät erkannt. Für eine erfolgreiche Operation ist es dann oft zu spät, denn der Krebs kann bislang nur durch eine vollständige Entfernung der befallenen Bauchspeicheldrüse geheilt werden.
