27.06.2010
Infektion mit Hepatitis B wird oftmals zu spät bemerkt
Eine Erkrankung an Hepatitis B verläuft oftmals zu Beginn unauffällig. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, besteht die Gefahr einer Chronifizierung...
Bei einer Infektion mit Hepatitis B liegt oftmals ein längerer Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Krankheitserscheinungen . „Zu den typischen Zeichen einer akuten Hepatitis mit Gelbfärbung der Haut und insbesondere der Augen kommt es nur bei einem Drittel der Betroffenen. In vielen Fällen sind die Symptome zu Beginn relativ unspezifisch und es kann Monate bis Jahre dauern bis wesentliche Krankheitszeichen auftreten. Infizierte leiden häufig unter Erschöpfungszuständen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Erkrankung erst sehr spät erkannt wird und einen chronischen Verlauf nimmt", warnt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). 5 bis 10% der Patienten entwickeln eine chronische Verlaufsform, häufig ohne dass eine akute Erkrankung bemerkt wurde. „Die Folge dieser Chronifizierung kann eine Leberzirrhose sein", erklärt Prof. Löscher. „Die chronische Infektion erhöht das Risiko für die Entwicklung von Leberkrebs um das Hundertfache gegenüber der Normalbevölkerung."
Das Hepatitis-B-Virus wird durch Körperflüssigkeiten wie Speichel, Sperma und Blut übertragen. „Etwa zwei Drittel der Infektionen in Deutschland sind auf ungeschützten Sexualverkehr zurückzuführen", erläutert Prof. Löscher. „Weitere Infektionsmöglichkeiten mit dem Hepatitis-B-Virus bestehen beim Tätowieren, Ohrloch-Stechen oder Piercing, sowie bei der medizinischen oder kosmetischen Behandlung in Ländern, in denen die Hygienevorkehrungen unzureichend sind."
Durch die lange Inkubationszeit und den zunächst unauffälligen Verlauf bei einer Infektion mit Hepatitis B ist die Gefahr groß, dass das Virus weitergegeben wird, bevor der Betroffene Symptome bemerkt. „In Deutschland infizieren sich schätzungsweise 5-8% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit dem Hepatitis-B-Virus", berichtet Prof. Löscher. Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 50.000 Neuinfektionen. Junge Menschen im Alter von 25 bis 29 Jahren bilden dabei die Spitzengruppe. „Der beste Schutz vor einer Infektion ist die Impfung, die in Deutschland heute fester Bestandteil des Kinder-Impfkalenders ist. Eine Hepatitis B-Impfung ist jedoch auch für Erwachsene uneingeschränkt zu empfehlen. Eine kombinierte Impfung gegen Hepatitis A und B ist insbesondere bei Reisen in Ländern mit niedrigeren Hygienestandards anzuraten", empfiehlt Prof. Löscher.
Zwischen 300 und 420 Millionen Menschen tragen den Hepatitis-B-Virus chronisch in sich, das entspricht circa 5-7% der Weltbevölkerung. In Verbreitungsgebieten wie z. B. Zentral- und Südafrika, Südostasien und Südamerika finden sich besonders hohe Infektionsraten.
