22.07.2009
Jeder Zweite hat erhöhtes Diabetes-Risiko
Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes Typ 2 sind auch unter vermeintlich Gesunden weit verbreitet...
Eine Auswertung der Gesundheitsdaten männlicher Teilnehmer an einem Gesundheits-Vorsorgeprogramm hat ergeben, dass jeder 2. Teilnehmer ein erhöhtes Risiko hat, in den nächsten Jahren an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken (Diabetologie und Stoffwechsel 2008, Heft 3: Seite 353). Rechtzeitige Ernährungsumstellung und die Kontrolle des Körpergewichts können der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) zufolge einen Diabetes in diesem Stadium noch verhindern. Die Experten raten allen Erwachsenen an entsprechenden Programmen teilzunehmen, auch wenn sie Sport treiben und sich gesund fühlen.
An der Untersuchung beteiligten sich rund 1.600 leitende Angestellte verschiedener Konzerne an einem freiwilligen, medizinischen Präventionsprogramm. Diese attestierten sich vorab einen überwiegend guten Gesundheitszustand. Zwar waren 60% übergewichtig, doch die meisten trieben aktiv Sport, jeder 4. sogar mehrmals in der Woche. Ernsthafte gesundheitlich Probleme oder Krankheiten lagen nur bei wenigen Teilnehmern vor. Die häufigste Gesundheitsstörung war ein Bluthochdruck.
Die Resultate der Untersuchungen ergeben dagegen ein ganz anderes Bild: Jeder 2. Teilnehmer hatte einen erhöhten Blutdruck, jeder 3. erhöhte Fettwerte. Bei 8% war die Konzentration des „guten" HDL-Cholesterins im Blut vermindert. Außerdem hatten 18% der Teilnehmer einen erhöhten Blutzucker. Insgesamt wies somit jeder 2. Teilnehmer ein oder 2 Risikofaktoren des Metabolischen Syndroms auf. Ein Metabolisches Syndrom liegt nach Definition von der Internationalen Diabetes Federation (IDF) vor, wenn zu bauchbetontem Übergewicht noch 2 weitere Risikofaktoren wie erhöhter Blutzucker, Störungen des Fettstoffwechsels oder Bluthochdruck hinzukommen.
Neu ist dabei die Grenze des Nüchtern-Blutzuckers. Sie wurde vom IDF von 110 Milligramm/Deziliter auf 100 Milligramm/Deziliter herabgesetzt. Diese niedrigere Grenze dient dazu, um das Risiko eines Metabolischen Syndroms frühzeitiger zu erkennen. Denn auch diese neue Studie zeigt: Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Body-Mass-Index der Teilnehmer steigt die Anzahl ihrer Risikofaktoren. Liegt bei ihnen ein Metabolisches Syndrom mit einem Blutzucker von 100 Milligramm/Deziliter oder höher vor, haben sie ein größeres Risiko, in den nächsten Jahren an einem manifesten Diabetes Typ 2 zu erkranken. Wird das Risiko rechtzeitig erkannt, ist es jedoch möglich, die chronische Stoffwechselerkrankung durch eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion zu verhindern. Der neue Grenzwert einer normalen Nüchtern-Glukose von unter 100 Milligramm/Deziliter wird deshalb auch von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfohlen.
