24.09.2018
Körpereigener Schutzmechanismus gegen Arterienverkalkung entdeckt
Überraschend wurde entdeckt, dass ein für Immunzellen lebenswichtiges Molekül (BAFF) gleichzeitig eine entzündungshemmende und vor Arteriosklerose schützende Funktion hat.
Immunzellen, die Entzündungsreaktionen auslösen, spielen eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Arteriosklerose. Jetzt wurde überraschend entdeckt: Ein für diese Immunzellen lebenswichtiges Molekül hat gleichzeitig eine entzündungshemmende, vor Arteriosklerose schützende Funktion. Das berichten Forschende des Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) und der MedUni Wien in Kollaboration mit der Cambridge University (siehe Circulation, Online-Veröffentlichung am 6.1.2018). Ihre Erkenntnisse deuten auf bisher unbekannte, erbliche Risikofaktoren für Arteriosklerose hin.
Arteriosklerose, die krankhafte Verengung von Blutgefäßen, ist die Hauptursache für Herzinfarkte und Schlaganfälle, welche von der WHO nach wie vor als die weltweit häufigsten Todesursachen geführt werden. In der Entwicklung von Arteriosklerose spielen weiße Blutkörperchen, die sogenannten B2-Lymphozyten, eine entscheidende Rolle. Sie benötigen ein Molekül, das Forschenden unter dem Akronym BAFF bekannt ist. Da ein Ausschalten des BAFF-Rezeptors auf der Oberfläche der B2-Lymphozyten der Entwicklung von Arteriosklerose in Maus-Experimenten entgegenwirkt, lag die Vermutung nahe, dass ein ähnlicher Effekt eintritt, wenn BAFF direkt angegriffen wird.
Mit speziellen Antikörpern, die sich zielsicher an BAFF binden, kann das Molekül unschädlich gemacht werden. Diese Antikörper haben die Forschenden auf ihre Wirkung in der Entstehung von Arteriosklerose in Mäusen getestet – mit überraschendem Ergebnis: Anstatt wie erwartet die Bildung der gefürchteten „Plaques“ in den Arterienwänden der Mäuse zu reduzieren, wurden diese Einlagerungen größer. „Wir konnten eindeutig zeigen, dass die B2-Lymphozyten durch die Anti-BAFF-Antikörper nicht mehr überleben konnten und effizient eliminiert wurden“, beschreibt Letztautor Christoph Binder, Gruppenleiter am CeMM und Prof. für Arterioskleroseforschung an der MedUni Wien, die Ergebnisse der Studie. „Zu unserer Überraschung haben sich jedoch die Plaques dadurch sogar vergrößert, was auf eine bisher völlig unbekannte Rolle des BAFF-Moleküls hindeutete. In weiteren Experimenten gelang es uns dann, dieses Phänomen zu erklären“.
Die Forschenden fanden heraus, dass BAFF auch eine entzündungshemmende Wirkung hat, die sich positiv auf die Plaque-Bildung und das Arteriosklerose-Risiko auswirkt. Bei diesem Mechanismus bindet BAFF an einen alternativen Rezeptor (TACI) auf anderen Immunzellen. Und es konnte gezeigt werden, dass BAFF in diesen Zellen einen entzündungshemmenden Prozess in Gang setzt. Dieses Ergebnis könnte bedeutende Implikationen für die Arterioskleroseforschung und -Vorbeugung haben: Es gibt zum Beispiel Menschen mit Mutationen in dem Gen für TACI und diese könnten ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und in Folge Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.
Quelle: Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM)

