16.07.2008
Krebsraten in Europa sinken
Die Überlebenschancen vieler Krebspatienten steigen. Die Ausnahmen bilden Krebsarten, die durch Übergewicht gefördert werden...
Bild: Tumor im Dickdarm.
Die Krebsraten in Nord- und Westeuropa sinken einer neuen Studie zufolge bei fast allen Tumorarten. Ein wesentlicher Grund ist der Rückgang des Rauchens bei Männern. Eine Ausnahme bilden dagegen Tumore, die durch Übergewicht gefördert werden, wie z.B. Darmkrebs.
Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Krebsorganisation ECCO, die Daten zu 17 Krebsarten in 21 europäischen Ländern ausgewertet hatte. Sie verglich Zahlen vom Beginn der 1990er Jahre mit denen vom Beginn der 2000er Jahre (European Journal of Cancer 2008, 44: Seite 1341). Die Überlebensrate ist bei den meisten Krebsarten demnach in ganz Europa aufgrund der besseren Diagnose und Therapie gestiegen. Die ECCO sieht die Entwicklung insgesamt positiv, die Krebsvorbeugung müsse jedoch verstärkt werden. Insbesondere sollten Frauen vom Rauchen abgehalten und die heraufziehende „Übergewichts-Epidemie" bekämpft werden.
Der größte Erfolg im Kampf gegen Lungenkrebs in den vergangen 10 Jahren ist der Rückgang des Rauchens bei Männern gewesen, schreiben die Autoren. Es sei zu hoffen, dass die Frauen diesem Trend bald folgten, denn bei ihnen steige die Krebsrate noch an. Bei Lungenkrebs sei die Überlebenschance immer noch gering, so dass in Deutschland die Sterberate bei Frauen durch Lungenkrebs steige. Für Deutschland wurde stets das Krebsregister des Saarlands verwendet.
Vorsorgeuntersuchungen erhöhen Heilungschancen
Positiv hat sich die in vielen Ländern eingeführte Vorsorgeuntersuchung für Brust-, Prostata- und Hautkrebs ausgewirkt. So steigt durch das Erkennen schon kleiner Tumore zwar die Brustkrebsrate in den meisten Ländern, zugleich gibt es aber weniger Todesfälle und eine höhere Überlebensrate. In Deutschland ist die Brustkrebsrate von 1994 bis 2005 stabil geblieben. Das neue Brustkrebs-Screening in Deutschland floss noch nicht in die Studie ein. Die Überlebenschance bei Brustkrebs hat sich in allen Ländern verbessert.
Bild: Krebsgeschwulst im Magen.Auch die Magenkrebsrate ist in Deutschland und europaweit gesunken, vor allem deshalb, weil der Magenkeim Helicobacter pylori bekämpft wird. Weitere Gründe sind frischere Lebensmittel mit mehr Vitamin C, reduziertes Salzen und der allgemeine Rückgang der Raucherzahl. Die Hautkrebsrate steigt nur in einigen Ländern Europas, in anderen hat sie sich stabilisiert. In Deutschland stagniert Hautkrebs bei Männern im Untersuchungszeitraum, während er bei Frauen gestiegen ist. Die Überlebensrate verbesserte sich aber bei beiden Geschlechtern. Die Prostatakrebsrate steigt in Deutschland und den meisten Ländern an. Die Autoren führen dies auf eine vermehrte Nutzung des so genannten PSA-Tests zurück, der schon früh auf den Tumor hinweist. Da er auch ruhende Tumore erkennt, steigt die Krebsrate ebenso wie die Überlebensrate zusätzlich künstlich an.
