04.10.2015
Medizinische Behandlung im Ausland kann die Gefahr einer Hepatitis-C-Infektion bergen
In vielen Ländern auf der Welt sind kontaminierte Blutprodukte und medizinische Utensilien auch gegenwärtig noch häufig Ursache für eine Übertragung von Hepatitis-C-Erregern.
Das Risiko für eine Ansteckung mit Hepatitis-C-Viren (HCV) durch Bluttransfusionen ist in Deutschland sehr gering, da Blutspenden hierzulande seit 1991/1992 auf Antikörper gegen HCV getestet werden. So trifft das Risiko, sich dennoch mit HCV zu infizieren, etwa eine Person unter mehr als vier Millionen Blutprodukteempfängern. In vielen anderen Ländern auf der Welt sind kontaminierte Blutprodukte und medizinische Utensilien allerdings auch gegenwärtig noch häufig Ursache für eine Übertragung von Hepatitis-C-Erregern. Davor warnen Experten der Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de. Schätzungen der WHO zufolge infizieren sich weltweit etwa zwei Millionen Menschen jährlich mit HCV, weil sie sich einer medizinischen Behandlung unter hygienisch nicht einwandfreien Bedingungen unterziehen. Im Vergleich dazu: Die jährliche Neuerkrankungsrate nachweisbarer HCV-Infektionen beträgt weltweit insgesamt etwa 3-4 Millionen.
„HCV-Infektionen im medizinischen Bereich rühren vornehmlich von kontaminierten Spritzen her oder von Bluttransfusionen", erläutert einer der Experten, Dr. med. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Hepatitis C-Registers (DHC-R) und praktizierender Hepatologe in einer gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis in Herne. Das betrifft insbesondere Blutentnahmen, Impfungen, Dialyse-Behandlungen und Blut- oder Plasmatransfusionen sowie zahnärztliche Behandlungen. Ursachen für solche im Krankenhaus erworbene Infektionen (sog. nosokomiale Infektionen) sind nicht ausreichend sterilisierte chirurgische Instrumente, Kanülen und Spritzen, die aus Gründen mangelnder Versorgung mehrfach benutzt werden müssen - oder auch mangelhafte Handhygiene. Eine weitere Infektionsquelle ist das Blut von Spendern, die mit HCV infiziert waren, ohne dass dies vor der Transfusion entdeckt wurde. Transfusionen sind insofern laut WHO weiterhin in vielen Krankenhäusern und Ambulanzen im Ausland als ‚nicht sicher‘ einzustufen.
„Sogar in hochentwickelten Ländern kommt es gelegentlich zu Infektionen mit HCV, die im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen stehen, wie z.B. 2010 in einem Dialyse-Zentrum in Tarragona (Spanien)", berichtet Dr. Hüppe. Auch in den USA sind einer Studie zufolge immer noch 6% der Injektionen trotz intensiver Aufklärung nicht sicher.
„Wer sich im Ausland - insbesondere in einem Entwicklungsland in Osteuropa, Asien, Afrika oder Amerika - aufhält und dort mit Blut, Blutprodukten oder medizinischen Instrumenten behandelt werden muss, sollte nach seiner Rückkunft nach Deutschland vorsorglich seine Leberwerte überprüfen lassen", rät Dr. Hüppe. Falls Verdacht auf eine HCV-Infektion besteht, kann eine gesicherte Diagnose der verschiedenen Formen der Virushepatitis durch spezielle Labortests (Direktnachweis der Viren oder virusassoziierter Antigene oder Nachweis von korrespondierenden Antikörpern im Blut) erfolgen.
Quellen:
Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut: Infektionen durch Nadeln und Blut (2012) Gesundheitsberichterstattung des Bundes: „Hepatitis C" (Heft 15, 2003)WHO Fact sheet Nr. 279 (2015) American Journal of Injection Control (2010, Band 38/10, Seite 789-798)