19.01.2014

Meilenstein: Neue Therapie gegen Hepatitis C in Deutschland verfügbar

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) hat eine neue Therapie zur Behandlung von chronischen Leberentzündungen zugelassen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) hat eine neue Therapie zur Behandlung von chronischen Leberentzündungen zugelassen. Der Wirkstoff Sofosbuvir (Handelsname in Deutschland Sovaldi) hat in klinischen Studien bei vielen Patienten, die an chronischer Hepatitis C erkrankt waren, in kurzer Zeit zur Heilung geführt. Diese Ergebnisse haben die EMA dazu bewogen, ein beschleunigtes Zulassungsverfahren einzuleiten. Das neue Medikament ist ab sofort auch in Deutschland verfügbar. „Die Erfolge dieser neuen Therapie sind sehr beeindruckend. Nach nur 12 Wochen sind viele Patienten, die vorher jahrelang mit dieser chronischen Erkrankung leben mussten, geheilt. Die antivirale Wirkung dieser Substanz führt dazu, dass der Vermehrungszyklus der Hepatitis-C-Viren in der Leberzelle unterbrochen wird. Bereits wenige Wochen nach Beginn der Therapie sind viele Patienten virenfrei, und das ohne zusätzliche Sofosbuvir-spezifische Nebenwirkungen. Mit dieser Substanz beginnt ein neues Zeitalter bei der Behandlung von Hepatitis-Patienten", erläutert Prof. Dr. Thomas Berg, der Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig ist.

Weltweit sind 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus (HCV) infiziert, davon sterben 350.000 pro Jahr - in Europa gibt es 9 Millionen Infizierte, in Deutschland 400.000-600.000. Bisherige Therapien gegen die HCV-Infektion machen eine Einnahme von zwei bis drei Medikamenten (Interferon plus Ribavirin und ggf. einen zusätzlichen Protease-Hemmer) nach einem komplexen Zeitplan über eine Dauer von 24-48 Wochen erforderlich und sind oftmals mit starken Nebenwirkungen wie Blutarmut, verminderte Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen und in selten Fällen auch Infektion verbunden. Rund 50 Prozent der HCV-infizierten Patienten kommen für eine Interferon-haltige Therapie nicht in Frage, und viele brechen die Therapie vorzeitig ab und laufen so unbehandelt Gefahr, an Leberzirrhose und/oder der Entwicklung eines Leberkrebs zu sterben.

Mediziner rufen dazu auf, die Leberwerte überprüfen zu lassen
Niedergelassene Gastroenterologen und Internisten wollen nun verstärkt für Lebertests in ihren Praxen werben. Denn viele Menschen wissen nicht, dass sie vielleicht mit Hepatitis C infiziert sind. „Entzündungen der Leber werden auch als schlafende Infektionen bezeichnet. Die Patienten merken oft jahrelang nicht, dass sie an einer chronischen Leberentzündung leiden. Erst wenn der Großteil des Organs betroffen ist, machen sich Symptome, wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und ein allgemeines Unwohlsein bemerkbar. Leider ist die Erkrankung dann auch oft schon weit fortgeschritten. Daher raten wir allen unseren Patienten jetzt, die Leberwerte überprüfen zu lassen. Bei dieser neuen Therapie ist die Therapiedauer für die meisten Patienten mit 12 Wochen deutlich verkürzt, und es steht erstmals eine Interferon-freie Option für alle die Patienten zur Verfügung, die für eine Interferontherapie nicht in Frage kommen, aber dringend eine Therapie benötigen. Damit eröffnen sich für uns Ärzte in der Praxis völlig neue Optionen bei der Behandlung dieser gefährlichen Erkrankung. Erstmals können wir allen Patienten eine Therapie anbieten und viele unserer Hepatitis-C-Patienten heilen", freut sich Dr. med Dietrich Hüppe, niedergelassener Gastroenterologe aus Herne. Auch bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung (Leberzirrhose) kann eine Therapie sinnvoll sein. „In den Studien konnte gezeigt werden, dass die Leber sich ohne Belastung durch Viren offenbar wieder erholen kann. Deshalb raten wir auch den Patienten zum Arztbesuch, die bereits erfolglose Hepatitis-Therapien durchgemacht haben oder in der Vergangenheit Therapien aufgrund der starken Nebenwirkungen abgebrochen haben", so Hüppe weiter.

Quelle: EMA

Links: Videos mit Teilnehmern aus der Studie