18.09.2020

Nahrungsergänzungsmittel: Oft zu viel des Guten?

Eine Überdosierung mit Mikronährstoffen kann auch mit Gesundheitsrisiken verbunden sein. Das Bfr empfiehlt bestimmte Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln.

31 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer in Deutschland nehmen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein. Allerdings kann eine Überdosierung mit Mikronährstoffen auch mit Gesundheitsrisiken verbunden sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte daher im Januar 2018 Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Ob die im deutschen Einzelhandel angebotenen Nahrungsergänzungsmittel die HMV aber tatsächlich einhalten, ist nicht bekannt.

Inwiefern die Höchstmengenvorschläge (HMV) in Nahrungsergänzungsmitteln aus dem stationären Einzelhandel eingehalten werden, haben jetzt Forschende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der HAW Hamburg untersucht (siehe Aktuelle Ernährungsmedizin 2020, Band 45/04, Seite: 269 – 275).

In der Pilotstudie nahmen die Wissenschaftler 106 freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel aus einem Reformhaus, einem Supermarkt und zwei Drogerien hinsichtlich ihrer Mikronährstoffdosierungen unter die Lupe – darunter 30 Einzelvitaminpräparate, elf Einzelmineralstoffpräparate, 44 Multivitaminpräparate, elf Multimineralpräparate und zehn Multivitamin- und Multimineralstoffpräparate. Für die Analysen verglichen sie die Nährstoffangaben auf den Verpackungen der Präparate mit den jeweiligen HMV für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln.

Das Ergebnis: Von 106 Nahrungsergänzungsmitteln hielten rund 48 Prozent die HMV bei allen Nährstoffen ein. Eine Überschreitung der HMV bei mindestens einem Mikronährstoff wiesen 55 Präparate (52?Prozent) auf. Am häufigsten wurde die HMV bei Multivitamin- und Multimineralstoffpräparaten (80?Prozent der Präparate) überschritten. Je nach Mikronährstoff lagen die relativen Abweichungen zwischen 20 Prozent (Kalium) und 700 Prozent (Vitamin B12) des HMV.

„Die Untersuchung zeigt, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel aus dem stationären Einzelhandel die Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe überschreiten. Das ist bedenklich, da mit dem Gebrauch von hoch dosierten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten gesundheitliche Risiken einhergehen können, insbesondere wenn diese häufig eingenommen werden“, resümiert Prof. Dr. Petra Lührmann. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten darum auf die möglichen Risiken hingewiesen werden. „Verbindliche Höchstmengen sowie EU-weite einheitliche Richtlinien für Mikronährstoff-Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln könnten daher sinnvoll sein“, so Lührmann.

Quelle: Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

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