28.09.2010
Neuer Therapieansatz gegen Entzündung bei Lupus
Über Erfolge eines neuen Therapieansatzes mit TNF-Blockern bei der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes berichten Forscher vom Universitätsklinikum Dresden.
40.000 Menschen in Deutschland leiden an systemischem Lupus erythematodes, abgekürzt SLE. Lupus ist eine Autoimmunerkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Am häufigsten erkranken junge Frauen. Häufig fallen zunächst Fieber, Erschöpfung und Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht auf. Befallen werden kann jedes Organ. Eine schwere Entzündung kann zum Beispiel an der Haut, den Gelenken, den Nieren oder den Blutgefäßen des Gehirns auftreten. Meist ist die Erkrankung durch moderne Medikamente gut zu kontrollieren. Doch manchmal reicht die Standardtherapie nicht aus. Prof. Dr. Martin Aringer, Bereichsleiter der Rheumatologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdener Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, sucht deshalb nach neuen Behandlungsansätzen im Kampf gegen Lupus erythematodes.
„Wir haben vor einigen Jahren herausgefunden, dass der Tumor Nekrose Faktor (TNF), ein stark entzündungsfördernder Botenstoff des Immunsystems, bei einer Lupus-Entzündung massiv erhöht ist. Das lässt vermuten, dass TNF wesentlich an der Entzündungsprozessen beteiligt ist." Aus diesem Grund wird TNF auch schon bei anderen Rheumaerkrankungen gezielt blockiert. Beim Lupus wurde eine solche TNF-Blockade bisher allerdings vermieden, da - wie aus Erfahrungen mit einem Mausmodell bekannt ist - ein Mangel von TNF unter bestimmten Bedingungen Autoimmunreaktionen auslösen kann, die auch beim Lupus beobachtet werden. „Bei der Lupus-Entzündung unserer Patienten wirkt TNF aber als Entzündungsverstärker und kann die Autoimmunerkrankung nicht bremsen", betont Prof. Aringer.
Wie die Forscher in der Englischen Fachzeitschrift Rheumatology (Band 48(11), Seite 1451-1454, 2009 . Zusammenfassung) berichten, setzten sie bei insgesamt dreizehn schwer kranken SLE-Patientinnen und -Patienten an Universitätskliniken in Deutschland, Österreich, Belgien und Großbritannien den TNF-Blocker Infliximab ein. „Meist reichten vier Infusionen mit Infliximab, um die Entzündung weitgehend zu stoppen", erzählt Prof. Aringer. Im Fall einer Nierenentzündung hielt die Wirkung oft fünf Jahre und länger an. „Eine Voraussetzung für den Erfolg ist aber, dass die Infliximab-Behandlung mit Immunsuppressiva kombiniert wird, also Medikamenten, die das Immunsystem beruhigen. Für den Erfolg war außerdem entscheidend, dass die Patienten direkt zu Beginn der Behandlung positiv auf den Wirkstoff Infliximab reagierten. Längere Behandlungszeiträume brachten hingegen keine Vorteile, sondern erhöhten das Risiko schwerer Infektionen.
Auf der Basis der Forschungsergebnisse sollen nun weitere Untersuchungen folgen. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen lassen, könnte die TNF-Blockade auch für manche schwer kranke Lupus-Patienten einmal zur Standardtherapie werden.
Quelle: Medizinische Fakultät oder Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
