26.06.2016
Nicht nur Drogenkonsumenten sind durch Ansteckung mit Hepatitis C gefährdet
Konsumenten intravenöser Drogen sind besonders gefährdet, sich mit Hepatitis C anzustecken. Darauf weisen Experten des BDI anlässlich des diesjährigen Weltdrogentags am 26. Juni hin.
Intravenöser Drogenkonsum gilt als bedeutendster Risikofaktor für eine Ansteckung mit Hepatitis C. So sind in Deutschland Infektionen mit Hepatitis C-Viren (HCV) bei intravenös Drogen gebrauchenden Menschen aufgrund gemeinsam genutzter Injektionsnadeln deutlich stärker verbreitet als in der Allgemeinbevölkerung. Etwa 23 bis 54 Prozent von ihnen sind chronisch mit HCV infiziert. Darauf weist der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) unter Berufung auf die Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de anlässlich des diesjährigen Weltdrogentags am 26. Juni hin. „Dank moderner Medikamente, die uns mittlerweile zu Verfügung stehen, können heutzutage nahezu alle Patienten - auch im suchtmedizinischen Alltag - behandelt und sogar geheilt werden. Die neuen, direkt antiviral wirkenden Medikamente (aus dem Englischen direct acting antivirals abgekürzt: DAA) greifen unmittelbar in die Vermehrung des Hepatitis C-Virus ein, werden maximal zwölf Wochen einmal täglich eingenommen und haben kaum Nebenwirkungen. Es gibt also quasi keine Behandlungsbarrieren mehr!", erklärt Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Prävention und Screening müssen weiter greifen, um das Virus auszurotten
Ein effektiver Ansatz könnte sein, die Gruppe der Patienten mit intravenösem Drogenkonsum (PWID) stärker als bisher in den Blickpunkt von Screenings- und Therapiemaßnahmen zu stellen. Dies sieht auch das kürzlich publizierte Strategiepapier des Bundesministeriums für Gesundheit zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell übertragbarer Infektionen vor. Mit einer Vereinfachung der Therapie und der Möglichkeit auch Patienten unter Substitution zu behandeln, kann man künftig mehr Menschen für eine Behandlung erreichen; als Folge sinkt zwangsläufig auch die Zahl der Neuinfektionen.
Das ideale Setting für eine HCV-Therapie bei PWID ist die stabile Substitution. Klinische Studien haben gezeigt, dass Patienten unter Substitution vergleichbare Heilungschancen wie Patienten ohne Substitution haben. Wichtig sei es dabei, auf die Adhärenz zu achten und Maßnahmen gegen eine Reinfektion zu treffen.
Während bei Drogenabhängigen unter Substitutionstherapie die größte Häufigkeit von HCV-Infektionen vermutet wird, ist auch medizinisches Personal durch den alltäglichen Umgang mit Nadeln und Spritzen infektionsgefährdet und sollte sich vorsorglich zu Beginn der Tätigkeit und in regelmäßigen Abständen auf Hepatitis C testen lassen. „Außerdem haben Personen, die Sexualpraktiken mit erhöhter Verletzungsgefahr ohne Kondomschutz praktizieren, ein hohes Risiko, sich mit Hepatitis C anzustecken, wobei HCV-Infizierte gleichzeitig auch HIV-koinfiziert sein können. In Verbindung mit HIV schädigt Hepatitis C die Leber noch schneller und sollte deshalb unbedingt therapiert werden", warnt Prof. Berg. Hierzulande sind 6% der HCV-Patienten auch mit HIV infiziert. Ein hohes Infektionsrisiko haben zudem Migranten aus Ländern mit häufigen HCV-Infektionen (wie z.B. Russland). Checken lassen sollten sich grundsätzlich auch Schwangere zum Schutz des Neugeborenen.
Bislang unentdeckte Infizierte auch beim „Check-Up35+" erkennbar
Um in den kommenden drei Jahren möglichst alle bisher nicht erkannten HCV-Fälle identifizieren zu können, sollte sich das Augenmerk der behandelnden Ärzte - insbesondere auch der Hausärzte - vermehrt auch auf die oben genannten fünf Bevölkerungsgruppen richten. „Dabei helfen dem Arzt schon wenige einfache Fragen, die er aber auch stellen muss: Haben Sie in der Vergangenheit intravenös Drogen konsumiert oder ungeschützten Sex gehabt? Haben Sie in der Vergangenheit Blutprodukte oder eine Dialyse bekommen? Arbeiten Sie in einem medizinischen Bereich? Liegt ein Migrationshintergrund vor? Sind Sie schwanger?", veranschaulicht Prof. Berg. Mit Hilfe der Risikofragen können auch im Rahmen des „Check-Up35+" - einer Vorsorgeuntersuchung für Männer und Frauen ab 35 Jahren, die von den Krankenkassen alle zwei Jahre erstattet werden - viele bisher unentdeckte HCV-Infizierte durch Bestimmung des Hepatitis-Suchtestes (anti-HCV-Antikörper-Bluttest) identifiziert werden. Auch bei erhöhten Leberwerten (Testung des ALT-Wertes) sollte auf Hepatitis C getestet werden. Ziel ist es, Angehörige von Risikogruppen aufklärend auf ihr erhöhtes Infektionsrisiko anzusprechen, sie gezielt nach möglichen Infektionsquellen in der Vergangenheit zu befragen und ihnen dann gegebenenfalls die Durchführung eines Bluttests anzubieten.
Quellen:
Epidemical Bulletin 2015, Band 22, Seite 191Deutsche Leberhilfe: Eco Hep Model 2016