20.05.2008

Nur jeder 5. Reisende kennt Infektionsrisiken im Reiseland

Die meisten Urlauber verreisen ohne ausreichenden Impfschutz – die Folge können ernste Infektionen mit Bakterien oder Viren sein...

Die Gefahr, sich im Urlaub mit gefährlichen Krankheitserregern anzustecken, ist nur etwa 20% der Reisenden bekannt. Dies ist das Ergebnis einer Befragung unter mehr als 8.000 Touristen, die zur Eröffnung des nordeuropäischen Kongresses für Reisemedizin in Helsinki (NECTM, 21.5-24.5.08) vorgestellt wird.

Die Art der Reise scheint dabei keine große Rolle zu spielen. Unabhängig davon, ob ein Pauschalurlaub im Hotel oder eine Abenteuerreise gebucht wurde, hatten über 80% der Befragten keine Informationen zu möglichen Gesundheitsgefahren im Reisland eingeholt. Und auch unter den Touristen, die angaben, über mögliche Ansteckungsrisiken informiert zu sein, ließ sich nur etwa ein Drittel im Vorfeld reisemedizinisch beraten. "Diese Ergebnisse sind erschreckend - decken sich aber leider mit unseren Erfahrungen. Es ist unglaublich, wie viele Touristen völlig unvorbereitet z.B. in die Tropen reisen", beklagt Prof. Hans Dieter Nothdurft aus der Praxis der reisemedizinischen Beratung des Tropeninstitutes in München. Denn auch in Süd- und Osteuropa sowie im gesamten Mittelmeerraum gebe es Infektionsrisiken, die kaum jemand wahrnimmt. 

Die zunehmende Beliebtheit von preiswerten Urlaubszielen im Osten und Südosten Europas ist aus Sicht der Experten auch mit Gesundheitsrisiken verbunden. "Gerade in den Ländern des ehemaligen Ostblocks entsprechen die hygienischen Standards oft nicht westlichen Maßstäben. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Ausbrüche von verschiedenen Infektionskrankheiten. Diphtherie und Tuberkulose in Russland, Masern in Rumänien und Hepatitis in Bulgarien -  um nur einige zu nennen. Wer im Sommer 2008 eine Urlaubsreise ans Schwarze Meer oder in den Mittelmeerraum plant, sollte sich unbedingt vorab informieren. Auch die zu erwartenden hohen Temperaturen in den Sommermonaten können das Ausbreiten von bestimmten Krankheitserregern begünstigen", warnt Nothdurft.

Mediziner empfehlen vorbeugende Impfungen 

Um gefährliche Erkrankungen im Urlaub zu vermeiden, raten Reisemediziner zu vorbeugenden Impfungen. Gegen einige potenziell tödliche Infektionskrankheiten sollte man sich unbedingt impfen lassen. "Wir empfehlen Auffrischimpfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Pertussis (Keuchhusten). Darüber hinaus sind Impfungen gegen Hepatitis A für fast alle Reiseziele im Osten und Süden Europas - insbesondere aber für die Türkei und Ägypten - dringend anzuraten", so Nothdurft weiter.

Impfzyklen häufig nicht abgeschlossen

Auch die Komplettierung des Impfschutzes mahnt der Reisemediziner an. „Nur etwa jeder 3.schließt den angefangenen Impfzyklus ab. Das kann fatale Folgen haben, denn alle Impfungen sind erforderlich damit sich der Impfschutz vollständig aufbaut", erläutert Nothdurft. So muss z. B. die Impfung gegen Hepatitis A 6–12 Monate nach der ersten Impfung wiederholt werden, die Impfung gegen Hepatitis B bzw. die A/B-Kombinationsimpfung nach einem und nach 6 Monaten. Erst dann ist der Impfzyklus komplett und schützt für langfristig, d. h. mindestens 10 Jahre, vor diesen gefährlichen infektiösen Leberentzündungen.

Mehr Informationen zu aktuellen Infektionsrisiken in über 300 Reiseländern erhält man unter www.fit-for-travel.de. Eine aktuelle Liste der Krankenkassen, die Reiseimpfungen erstatten, finden Sie hier.