04.12.2016

Omega-3 Fettsäuren für Herz-Kreislauf-Patienten von Vorteil

Viele Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung können die Lebenszeit von Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verlängern. Von alpha-Linolensäure (ALA) profitieren aber offenbar nur Frauen.

Eine langfristige Aufnahme von omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung kann die Lebenszeit von Personen, die ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, nachweislich verlängern. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler der Universitäten Heidelberg, Jena, Graz und München, die den Zusammenhang zwischen Lebenszeit und der Menge an omega-3-Fettsäuren in einer Langzeitstudie ermittelt haben. Dabei stellten sie außerdem überraschend fest, dass die pflanzliche omega-3 Fettsäure alpha-Linolensäure (ALA) anscheinend nur bei Frauen eine schützende Wirkung hat.

Seit langem schon wird angenommen, dass die mehrfach ungesättigten omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die in fettreichen Meeresfischen (Lachs, Makrele, Hering) vorkommen, gesundheitsfördernde und lebensverlängernde Wirkungen besitzen. Demgegenüber war der Zusammenhang zwischen der pflanzlichen omega-3 Fettsäure alpha-Linolensäure (ALA) und der Sterblichkeit bisher weniger gut untersucht.

Die LURIC-Studie hat zwischen 1997 und 2000 insgesamt 3.316 Personen aus Südwest-Deutschland eingeschlossen, nachdem diese stationär wegen des Verdachtes auf eine Herzerkrankung einer Koronarangiographie unterzogen worden waren; die Daten von 3.259 Personen gingen in die Auswertung ein. Während der Nachverfolgung über einen Zeitraum von etwa 10 Jahren verstarben 975 (30 Prozent) dieser Patienten. In der aktuell publizierten, wissenschaftlichen Untersuchung (siehe Atherosclerosis 2016, Band 252, Seite: 175-181)  wurden die omega-3-Fettsäuren in den roten Blutkörperchen der Studienteilnehmer bestimmt und die Messergebnisse in Beziehung gesetzt zu Todesfällen, Todesursachen, Krankengeschichte und anderen Faktoren, die Einfluss auf die Ergebnisse hätten haben können, wie die Einnahme von Cholesterin-Senkern oder Risikofaktoren wie Rauchen, Mangel an Bewegung, body mass index (BMI), Diabetes mellitus und hoher Blutdruck.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass hohe Spiegel von EPA und DHA einzeln und gemeinsam mit einem längeren Leben assoziiert sind, unabhängig von allen anderen Einflüssen oder Risikofaktoren. „Das bedeutet, dass niedrige Spiegel von EPA und DHA eigenständig ein Risiko für einen frühen Tod bedeuten", erläutert Prof. Dr. Clemens von Schacky von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Klinikum der Universität München (LMU), der die Untersuchung initiiert und koordiniert hat. Bisher war man sich uneinig darüber, ob dies auch für ALA gilt.

Die neuen, aus der LURIC-Studie gewonnenen Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zur Bedeutung der ALA. Nur ein relativ geringer Teil der ALA wird im Körper in EPA umgewandelt, wobei Frauen dazu eher in der Lage sind als Männer (siehe Data in Brief 2016, Band 8, Seite: 1311-1321). „Dies könnte der Grund sein, warum nur bei Frauen, aber nicht bei Männern, hohe Spiegel von ALA eine positive Bedeutung haben", ergänzt Dr. Marcus Kleber von der V. Medizinischen Klinik der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und Erstautor der Studie.

Die von Prof. Dr. Winfried März (Medizinische Fakultät Mannheim und Universität Graz) geleitete LURIC-Studie zeichnet eine große Teilnehmerzahl und die lange Beobachtungszeit aus; zudem ist LURIC eine der umfangreichsten Beobachtungs-Studien in Europa. Die aktuellen Ergebnisse konnten nur mittels einer spezifischen, sehr gut standardisierten Methode zur Analyse von Fettsäuren in roten Blutkörperchen erzielt werden, der die LURIC-Proben unterzogen wurden. Die Fettsäurezusammensetzung roter Blutkörperchen schwankt nur gering und ist daher sehr gut geeignet, die langfristige Versorgung mit omega-3-Fettsäuren aus der Nahrung abzubilden. Wird ein Mangel festgestellt, sollte dies Anlass zur Umstellung der Ernährung sein. Alternativ kann eine Substitution von omega-3-Fettsäuren erwogen werden.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Medizinischer Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und Klinikum der Universität München am 10.11.16