26.08.2012

Rheumatiker sollten auf vollständigen Impfschutz achten

Rheumatoide Arthritis und imunsuppressive Medikamente erhöhen das Infektionsrisiko. Deshalb ist es für betroffene Patienten besonders wichtig, auf ihren Impfschutz zu achten. Dazu rät der BDRh.

Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA), die immunsuppressive Medikamente einnehmen müssen, haben ein erhöhtes Infektionsrisiko: Ihr Immunsystem ist krankheitsbedingt und wegen der besagten Medikamente weniger gut in der Lage, ansteckende Krankheiten effektiv abzuwehren. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass RA-Patienten über einen möglichst umfassenden Impfschutz verfügen – gerade in Deutschland besteht hier allerdings noch Nachholbedarf“, erklärt Prof. Dr. Hans-Peter Tony, Leiter des Schwerpunktes Rheumatologie und Klinische Immunologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Universität Würzburg. So zeigt eine aktuelle Studie von Forschern der Universitäten Würzburg und Nürnberg-Erlangen, dass der Impfstatus der meisten RA-Patienten nicht ausreichend ist, obwohl sie sich ihrer erhöhten Infektionsgefahr durchaus bewusst sind.

Impfungen möglichst in einer stabilen Krankheitsphase durchführen

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfschutzkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut sollten Patienten, die z. B. wegen einer RA immunsuppressiv behandelt werden müssen, grundsätzlich gegen Tetanus, Diptherie und Keuchhusten sowie gegen Grippe (einmal jährlich), Meningokokken (alle drei Jahre) und Pneumokokken (alle sechs Jahre) geimpft sein. Impfstoffe gegen abgetötete Erreger (Totimpfstoffe) oder entgiftete Toxine (Toxoidimpfstoffe) sind auch bei immunsupprimierten Erwachsenen als sicher anzusehen. Befürchtungen, dass sie bei RA-Patienten Krankheitsschübe auslösen könnten oder keine ausreichende Schutzwirkung vermitteln würden, haben sich in Studien bisher nicht bestätigt. „Allerdings sollten Impfungen möglichst in einer stabilen Krankheitsphase durchgeführt werden“, betont Prof. Reinhard Voll, Ärztlicher Direktor der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Freiburg, und Mitautor der Studie. „Demgegenüber muss man bei Rheumatikern vor Lebendimpfstoffen – wie z.B. gegen Masern, Mumps und Röteln – Vorsicht walten lassen, da das durch Medikamente unterdrückte Immunsystem der Patienten selbst abgeschwächte Erreger möglicherweise nicht effektiv abwehren kann. Wenn nötig, sollte man solche Impfungen vor Beginn einer Therapie mit Immunsuppressiva verabreichen.“