13.09.2015
Riskante Sexualpraktiken erhöhen das Ansteckungs- risiko für Hepatitis C
Auch immer mehr homosexuelle Männer erkranken an der durch Hepatitis C-Viren (HCV) verursachten Leberentzündung, die unbehandelt zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann.
Nicht nur Bluttransfusionen und i.v-Drogenkonsum sind mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko für Hepatitis C verbunden. Auch immer mehr homosexuelle Männer erkranken an der durch Hepatitis C-Viren (HCV) verursachten Leberentzündung, die hauptsächlich durch Blut übertragen wird und bei chronischem, unbehandeltem Verlauf auch zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann. Darauf machen Experten der Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de aufmerksam. „Bestimmte Sexualpraktiken, die mit erhöhter Verletzungsgefahr einhergehen, aber ohne Kondom angewendet werden, stellen offenbar ein erhöhtes Risiko für eine HCV-Infektion dar. Möglicherweise kommt es vor allem bei Analverkehr zu vermehrtem Blutaustausch zwischen den Sexualpartnern", erläutert einer der Experten, Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. Eine Infektion durch verletzungsträchtige Sexualpraktiken unter Männern rangiert Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge immerhin an zweiter Stelle der nachvollziehbaren Ursachen. Allerdings ist noch von einer weitaus höheren Dunkelziffer und damit deutlich höheren Infektionsquoten auszugehen, da Hepatitis C über lange Zeit hinweg symptomlos verlaufen kann und damit oft unerkannt bleibt.
Homosexuelle HIV-Patienten besonders gefährdet
Insbesondere homosexuelle Patienten, die sich mit Aids (HIV) infiziert haben, erkranken immer häufiger auch an Hepatitis C. Ungefähr ein Viertel der HIV-positiven Betroffenen in Europa sind gleichzeitig auch HCV-positiv. „Wahrscheinlich sind HIV-Patienten aufgrund ihres geschwächten Immunsystems sowohl besonders gefährdet, sich anzustecken, als auch besonders infektiös, also Träger einer hohen Virenlast", erklärt Prof. Berg. Eine Schweizer Studie hat gezeigt, dass HIV-Patienten mit einem HCV-positiven Partner ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko haben, mit Hepatitis C infiziert zu sein wie andere HIV-Positive. „Zum Glück wirken die neuartigen Medikamente, die uns jetzt zur Verfügung stehen, auch sehr gut bei Patienten, die mit dem HI-Virus koinfiziert sind", betont Prof. Berg. Diese so genannten direct acting antivirals unterbinden direkt die Vermehrung des Virus, sind ohne Interferon einsetzbar und wirken im Vergleich zu früheren Therapeutika schneller, verursachen kaum Nebenwirkungen und führen bei fast allen Patienten zu einer vollständigen Elimination des Hepatitis C-Virus. „Deshalb ist es wichtig, gerade auch HIV-positive homosexuelle Männer verstärkt auf das Risiko einer HCV-Übertragung aufmerksam zu machen und ihnen zu raten, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zwecks Messung der Leberwerte zu gehen", empfiehlt Prof. Berg. Bei verdächtigen Leberwerten kann dann eine gesicherte Diagnose der verschiedenen Formen der Virushepatitis durch den Direktnachweis der Viren, virusassoziierter Antigene oder den Nachweis von korrespondierenden Antikörpern im Blut erfolgen. Hierfür sind spezielle Tests in einem medizinischen Labor notwendig.
Quellen:
- JAMA 2015, Band 313(12), Seite: 1232-1239- JAMA 2015, Band 313(12), Seite: 1223-1231 - Epidemiologisches Bulletin 2014; Band 31 - Int. J. Epidemiol. 2014, Band 43(3), Seite: 887-896