30.09.2008

Tabak gegen Krebs

Erstmals ist es Forschern gelungen, mit Hilfe von Tabakpflanzen einen möglichen Antikörper gegen Krebs herzustellen...

Bislang waren Tabakpflanzen der Alptraum der Krebsmedizin: Weltweit sterben Millionen Menschen an Krebserkrankungen, ausgelöst durch krebserregende Substanzen im Tabak von Zigaretten. Möglicherweise könnten sie nun aber auch dabei helfen, Krebserkrankungen zu bekämpfen. US-amerikanische Wissenschaftler nutzen nämlich die Pflanze, um einen Impfstoff gegen Krebs zu gewinnen. Die Forscher hoffen, damit eines Tages eine bestimmte Form von Lymphdrüsen-Krebs behandeln zu können.

Das Wissenschaftler-Team nutzt die Tabakpflanzen mit dem Tabakmosaikvirus als Träger zur Herstellung von Antikörpern, die spezifisch auf das so genannte follikuläre B-Zellen-Lymphom reagieren, eine Form von Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Antikörper sollen das Immunsystem dazu anzuregen, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. So soll das Immunsystem gegen den Krebs mobilisiert werden. Bislang wurden für derartige Versuche zur Impfstoffproduktion tierische Zellgewebe genutzt. Pflanzen schenkte man in dieser Hinsicht bisher kaum Beachtung. Sie stellen den Impfstoff jedoch nicht nur preiswerter her, er scheint zudem auch wirksamer zu sein.

 

Das Immunsystem reagiert auf die Antikörper

 Bild: Antikörper-MoleküleIn der Studie wurden die Antikörper an 16 Patienten getestet, direkt nachdem ihre Erkrankung diagnostiziert wurde. Bei mehr als 70% der behandelten Kranken hat den Ergebnissen zufolge das Immunsystem auf die Krebszellen reagiert, ohne dass einer der Patienten unter Nebenwirkungen zu leiden hatte. Ob die Antikörper den Krebs tatsächlich zurückdrängen können, muss sich allerdings erst noch in weiteren Untersuchungen erweisen.

Bei dem Verfahren machen sich die Forscher die Möglichkeit zunutze, dass Viren das Antikörper-Gen vom Menschen auf die Tabakpflanzen übertragen können. Die Viren fügen das Gen in das Erbgut der Pflanzen ein, woraufhin diese die Antikörper in ihren Zellen produzieren. Nach einigen Tagen werden einige Tabakblätter geerntet, zerkleinert und die Eiweiße daraus extrahiert. Wenige Pflanzen sind bereits ausreichend, um genug Impfstoff für einen Patienten herzustellen.