08.11.2015

Tattoo-Studios im Ausland können ein Infektionsrisiko für Hepatitis C darstellen

Wer sich ein Tattoo im Ausland oder Gefängnis zulegt, sollte etwa ein Jahr nach der Tätowierung vorsorglich beim Arzt einen Lebertest machen. Dazu raten Experten des Projektes Hepatitis-C-Eliminieren.

Tätowier-Studios, in denen die Hygienevorschriften nicht konsequent befolgt werden, können Quellen für eine Ansteckung mit Hepatitis-C-Viren (HCV) sein. Betroffene sollten daher etwa ein Jahr nach der Tätowierung vorsorglich beim Arzt einen Lebertest machen. Dazu raten Experten der Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de. Besonders hoch ist das Infektionsrisiko auch, wenn das Tattoo in einer Justizvollzugsanstalt (Gefängnis) gestochen wurde. Etwa zwei Drittel der rund 500.000 Menschen, die sich in Deutschland mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt haben, wissen nichts von ihrer Infektion, zumal die chronische Hepatitis C oft über viele Jahre schleichend mit milder Symptomatik wie Müdigkeit und unspezifischen Oberbauchbeschwerden verläuft. Unbehandelt haben die Betroffenen aber fatalerweise ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Leberzirrhose zu entwickeln, die wiederum die Gefahr für Leberkrebs drastisch steigert.

Beim Tätowieren werden Farbstoffpigmente mittels Nadeln durch die oberflächlichen Hautschichten (Epidermis) in die darunterliegende Lederhaut eingebracht. Diese enthält ein feines Blutgefäßsystem, über das Erreger wie HCV - aber auch Hepatitis-B- oder AIDS-Viren (HIV) - ins Blut gelangen und systemische Infektionen hervorrufen können. Eine US-amerikanische Studie mit 3871 Befragten (mit und ohne Hepatitis-C Erkrankung - siehe Hepatology 2013, Band 57/6, Seite 2117-2123) hat ergeben, dass eine Tätowierung durchaus einen Risikofaktor für eine HCV-Infektion darstellt - selbst wenn keinerlei klassische Risikofaktoren wie i.v.-Drogenkonsum oder Bluttransfusion vor 1992 zusätzlich vorliegen. Auch eine Studie des Robert-Koch Instituts (siehe Epidemiologisches Bulletin des RKI 2009/20) hat ergeben, dass bei 11 Prozent der an Hepatitis C erkrankten Menschen eine Tätowierung die wahrscheinliche Ursache war. „Gerade im Urlaub lassen sich viele Menschen offenbar von günstigen Angeboten örtlicher Tattoo-Studios locken, die keine ausreichenden Hygienestandards erfüllen, und setzen sich damit unbedacht einem hohen Risiko aus", warnt einer der Experten, Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. Hygiene-Standards werden in vielen Ländern oft vernachlässigt, Instrumente aus Kosten- und Zeitgründen nicht ausreichend oder gar nicht sterilisiert, Desinfektionsmittel und Einwegmaterialien wie Handschuhe oder Rasierklingen eingespart oder mehrmals verwendet. Auch geschultes Personal ist eher selten. „Zur Vermeidung von Infektionen ist die Kenntnis und strikte Einhaltung von Hygieneregeln aber sehr wichtig. Deshalb sind Tätowierer hierzulande dazu verpflichtet, die Sauberkeit der Studios zu gewährleisten, um den Kunden und sich selbst zu schützen", betont Prof. Berg. „Dies gilt natürlich auch in ganz besonderer Weise für das Tätowieren in der Justizvollzugsanstalt".

Fallen die Leberwerte beim Arzt verdächtig aus, werden spezielle Tests in einem medizinischen Labor notwendig, um die Diagnose der verschiedenen Formen der Virushepatitis abzusichern. „Neuartige Medikamente, die jetzt zur Verfügung stehen, unterbinden - als so genannte direct acting antivirals - direkt die Vermehrung des Virus, sind ohne Interferon einsetzbar und wirken im Vergleich zu früheren Therapeutika schneller und effektiver, wobei sie praktisch keine Nebenwirkungen verursachen", erläutert Prof. Berg.