02.04.2017
Übergewicht schlägt sich auch auf der genetischen Ebene nieder
Ein erhöhter BMI führt zu epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts - mit Auswirkungen auf einzelne Gene. Das berichten Forscher des Helmholtz Zentrums München.
Die Festtags-Pfunde lagern sich nicht nur auf den Hüften, sondern auch auf den Genen (DNA) ab: Ein erhöhter BMI führt zu epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts - mit Auswirkungen auf einzelne Gene. Das hat eine große internationale Studie des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung gezeigt (siehe Nature, Online-Veröffentlichung am 21.12.2016).
Während sich unsere Gene im Laufe des Lebens kaum verändern, kann unser Lebensstil direkten Einfluss auf deren Umgebung ausüben. Wissenschaftler sprechen hier vom Epigenom (aus dem Ggriechischen epi = auf, an, bei) - und meinen damit alles, was auf den Genen und um sie herum geschieht. Bisher kaum untersucht wurde, wie sich das Epigenom durch Übergewicht verändert. „Dabei ist die Frage bei schätzungsweise eineinhalb Milliarden übergewichtigen Menschen weltweit durchaus relevant", betont die Erstautorin der Studie Dr. Simone Wahl von der Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) am Helmholtz Zentrum München. „Vor allem, wenn man weiß, dass Übergewicht zu Folgeerscheinungen wie Diabetes, Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen kann."
Das internationale Forscherteam unter der Leitung von Dr. Christian Gieger und Dr. Harald Grallert aus der Abteilung für Molekulare Epidemiologie (AME) sowie Jaspal Kooner und John Chambers vom Imperial College London überprüfte daher mögliche Zusammenhänge zwischen dem Body Mass Index (BMI) und epigenetischen Veränderungen. Genauer gesagt untersuchte das Team die Methylierungsmuster, also das vorhanden oder abwesend Sein von Methylgruppen (CH3) an der DNA durch sogenannte Hochdurchsatzmessungen.
Dazu untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Blutproben von über 10.000 Frauen und Männern aus Europa. Ein größerer Teil darunter waren Bewohner Londons mit indischer Abstammung, die nach Angaben der Autoren ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten haben. In einem ersten Schritt mit 5.387 Proben ermittelte das Forscherteam 207 Genorte, die abhängig vom BMI epigenetisch verändert waren. Diese Kandidaten testeten sie dann an Blutproben von weiteren 4.874 Probanden und konnten 187 davon bestätigen. Weitere Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen wiesen zudem darauf hin, dass ein Großteil der Veränderungen eine Folge des Übergewichts war und nicht dessen Ursache.
„Signifikante Veränderungen fanden vor allem an Genen statt, die für den Fettstoffwechsel sowie für Stofftransport zuständig sind, aber auch Entzündungsgene waren betroffen", erklärt Gruppenleiter Harald Grallert. Weiterhin konnte das Team aus den Daten epigenetische Marker identifizieren, anhand derer sich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes vorhersagen ließ.
„Unsere Ergebnisse erlauben neue Einblicke, welche Signalwege durch Fettleibigkeit beeinflusst werden", berichtet Christian Gieger, Leiter der AME. „Wir hoffen, dass daraus neue Strategien entstehen, wie man Typ-2-Diabetes und andere Folgen des Übergewichts vorhersagen und bestenfalls verhindern kann." Künftig wollen die Forscher auch im Rahmen der translationalen Forschungsarbeiten im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung untersuchen, wie sich die epigenetischen Veränderungen im Einzelnen auf die Aktivität der darunter liegenden Gene auswirkt.
Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
