21.08.2013

Ultraschall macht Entzündungen an Gelenken sichtbar

Das Auflösungsvermögen von Ultraschallgeräten hat sich verbessert - daher lassen sich auch mit dieser strahlenschonenden Methode frühzeitig Defekte im Gelenkknorpel und Knochen feststellen.

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen - das entspricht etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Hinzu kommen etwa 15.000 Kinder und Jugendliche, die an Rheuma erkrankt sind. Rheumatoide Arthritis beginnt häufig an den kleinen Gelenken von Händen und Füßen. Die Entzündung der Gelenkhaut und die Schäden am Gelenkknorpel waren früher im Ultraschall nur bei ausgeprägten Befunden sichtbar: „In den letzten Jahren hat es hier jedoch enorme technische Fortschritte gegeben", berichtet Dr. med. Wolfgang Hartung, Leitender Oberarzt am Asklepios Klinikum Bad Abbach und stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Bewegungsorgane der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). „Innerhalb von nur zehn Jahren wurde das Auflösungsvermögen von 0,7 Millimeter auf unter 0,15 Millimeter verbessert. Damit erkennen wir selbst in den Fingergrundgelenken frühzeitig kleinste Defekte im Gelenkknorpel und Knochen." Mittels Power-Doppler-Sonografie beurteilen Mediziner heute zudem die Durchblutung in der Gelenkhaut. Entzündete Gewebe sind häufig stärker durchblutet.

Neben der Rheumatoiden Arthritis nutzen Ärzte den Ultraschall auch zur Diagnose anderer rheumatischer Erkrankungen. So können sie etwa Entzündungen am Ansatz der Sehnen erkennen. Diese treten häufig beim Morbus Bechterew und anderen Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule auf. Auch Blutgefäße können vom Rheuma befallen sein. Besonders gefürchtet sind solche entzündlichen Gefäßerkrankungen (Vaskulitiden) im Bereich der Schläfenarterie. „Ist dieses Gefäß betroffen, ist die Blutversorgung der Augen gefährdet, was zur Erblindung führen kann", erklärt Hartung. Früher musste zur Diagnose eine Gewebeprobe aus der Schläfe entnommen werden. Mittlerweile vertrauen Rheuma-Experten auf eine Ultraschalluntersuchung, um ihre Therapie- entscheidungen zu begründen.

Die DEGUM empfiehlt bei Verdacht auf eine Rheumatoide Arthritis, den Gelenkultraschall als erstes bildgebendes Verfahren einzusetzen. „Vielen Patienten bleibt dadurch eine unnötige Strahlenbelastung durch andere bildgebende Verfahren erspart", erklärt Hartung. Wenn auch das konventionelle Röntgen durch den Ultraschall nicht ersetzt werden kann, so bietet der Ultraschall gerade bei der Frühdiagnostik einer Arthritis entscheidende Vorteile gegenüber dem konventionellen Röntgen und macht  aufwändige Untersuchungsmethoden wie die Kernspintomografie (MRT) oder auch die Computertomografie oft überflüssig, so der Experte.

Nach einer Rheuma-Diagnose sind zur Verlaufskontrolle jährliche Untersuchungen notwendig. Sie werden üblicherweise mit dem konventionellen Röntgen durchgeführt. Doch gerade wenn sich die Erkrankung durch einen Schub verschlechtert oder die Mediziner den Erfolg einer Therapie beurteilen möchten, sei auch der Ultraschall für die Verlaufskontrolle sinnvoll. Da die Arthrosonografie unbedenklich und zudem kostengünstig se, könne sie DEGUM-Experte Hartung zufolge jederzeit auch zwischendurch durchgeführt werden.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)