27.11.2020

Unterschiedliche Symptomgruppen bei mildem Verlauf von Covid-19

Bei mildem COVID-19-Verlauf lassen sich 7 unterschiedliche Erkrankungsformen beobachten. Das berichten Forscher der MedUni Wien.

© Knut Wiarda_Fotolia.com

Bei einer COVID-19-Erkrankung mit mildem Verlauf können sieben “Erkrankungsformen“ unterschieden und nach 10 Wochen deutliche Veränderungen im Immunsystem festgestellt werden. Das berichtet ein Team von WissenschafterInnen der MedUni Wien unter der Leitung des Immunologen Winfried F. Pickl und des Allergologen Rudolf Valenta (siehe Allergy, Online-Veröffentlichung am 31.10.2020). Diese Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von PatientInnen und der Entwicklung eines potenten Impfstoffs eine wichtige Rolle spielen.

Die ForscherInnen konnten in der Studie mit 109 Rekonvaleszenten und 98 gesunden Personen in der Kontrollgruppe zeigen, dass verschiedene Symptome mit COVID-19 zusammenhängen und in Symptomgruppen vorkommen. Sie konnten sieben Gruppen ermitteln:

  1. grippale Symptome (mit Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Husten)
  2. Schnupfensymptome (mit Schnupfen, Niesen, trockenem Hals und Verstopfung der Nase)
  3. Gelenks- und Muskelschmerzen
  4. Augen- und Schleimhautentzündungen
  5. Lungenprobleme (mit Lungenentzündung und Kurzatmigkeit)
  6. Magen-Darm-Probleme (u.a. mit Durchfall, Übelkeit und Kopfweh) und
  7. Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns und andere Symptome

„Bei letzterer Gruppe konnten wir zudem feststellen, dass vom Geruchs- und Geschmacksverlust vermehrt Personen mit einem "jungen Immunsystem", gemessen an Hand der Anzahl der kürzlich aus dem Thymus ausgewanderten Immunzellen (T-Lymphozyten), betroffen sind. Das heißt, wir konnten ganz klar systemische (z.B. Gruppe 1 und 3) von organspezifischen Verlaufsformen (z.B. Gruppe 6 und 7) der primären COVID-19 Erkrankung abgrenzen“, so Pickl.

Zugleich konnten die WissenschafterInnen feststellen, dass COVID-19 lange nachweisbare Veränderungen wie einen Fingerabdruck im Blut der Rekonvaleszenten hinterlassen hat: So ist die Anzahl der Granulozyten, die im Immunsystem ansonsten für das Bekämpfen von bakteriellen Krankheitserregern zuständig sind, in der COVID-19-Gruppe signifikant niedriger als üblich. Pickl: „Dafür entwickelten die CD4- und CD8-Immunzellen ein Gedächtnis und CD8-T-Zellen bleiben stark aktiviert. Das zeigt, dass sich das Immunsystem auch viele Wochen nach der ersten Infektion immer noch mit der Krankheit intensiv auseinandersetzt. Gleichzeitig sind die regulatorischen Zellen stark vermindert – das ist ein gefährlicher Mix, der auch zu einer Autoimmunität führen könnte.“ Zudem konnten auch vermehrt Antikörper- produzierende Immunzellen im Blut der Rekonvaleszenten nachgewiesen werden – je stärker bei mildem Verlauf der Erkrankung das Fieber des Betroffenen war, desto höher waren daher auch die Antikörperspiegel gegen das Virus ausgeprägt.

„Unsere Erkenntnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Erkrankung bei und helfen uns bei der Entwicklung von möglichen Impfstoffen, da wir nun auf vielversprechende Biomarker zurückgreifen und ein noch besseres Monitoring durchführen können“, betonen die WissenschafterInnen. „Die Studie zeige vor allem, dass das menschliche Immunsystem bei der Abwehr einer Erkrankung mit gemeinsamer Hilfe der Immunzellen und Antikörper "dopple" – wie in der Verteidigung einer modernen Fußballmannschaft – und dass sich die Zellen auch bestimmte "Spielzüge" des Virus merken und darauf reagieren können. Nun gehe es darum, diese Erkenntnisse umzusetzen und für die Entwicklung von Impfstoffen auszunutzen."

Quelle: Medizinische Universität Wien

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.