05.02.2014
Winterkälte kann das Herz gefährden
In der Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, das Herz muss gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. Herzpatienten sollten bei auftretender Atemnot und Brustenge einen Arzt aufsuchen.
Vorsicht beim Schneeschippen: Wenn draußen die Temperaturen sinken, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das Herz muss dann das Blut gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. Leidet eine Person ohnehin unter verengten Herzkranzgefäßen, können Kälte und Aktivität leicht zu einer Durchblutungsstörung und zu einer Überlastung des Herzmuskels führen. Für Patienten mit bereits vorgeschädigten Herzkranzgefäßen - koronare Herzkrankheit (KHK), unter der etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden - kann das gefährlich werden: Eine Durchblutungsstörung und eine Überlastung des Herzmuskels droht, im Extremfall sogar Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod. „Herzpatienten sollten Beschwerden wie Atemnot, Schmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb unbedingt ernst nehmen, wenn sie bei winterlicher Kälte auftreten", betont Prof. Dr. med. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN).
Eine nuklearmedizinische Untersuchung des Herzmuskels - die so genannte Myokard-Szintigrafie - verrät, wie groß die Gefahr eines Herzinfarktes ist und ob ein vorbeugender Eingriff erfolgen muss. Die Untersuchung kann kurzfristig ambulant durchgeführt werden und macht sichtbar, ob und wie stark die Nährstoffversorgung des Herzmuskels eingeschränkt ist. Dazu erhält der Patient ein schwach radioaktiv markiertes Medikament in die Vene gespritzt, das sich vorübergehend im Herzmuskel anreichert und die Sauerstoffsättigung widerspiegelt. „So können wir das Ausmaß der Durchblutungsstörung bestimmen", so Moka. „Unnötige Eingriffe im Herzkatheter können sich vermeiden lassen, wenn die Myokardszintigrafie zeigt, dass eine Verbesserung der Durchblutung dadurch nicht zu erzielen ist."
Darüber hinaus gibt die Myokard-Szintigrafie ein hohes Maß an Sicherheit. Findet der Nuklearmediziner dabei nämlich keine Durchblutungsstörung des Herzens, ist die Gefahr eines Infarktes bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung mit fast 99-prozentiger Sicherheit ausgeschlossen. Dies belegt eine Studie an 266 Patienten (siehe Journal of Nuclear Cardiology 2013, Band 20/5, Seite 748-754). Wie die Wissenschaftler herausfanden, beträgt die Wahrscheinlichkeit, als KHK-Patient trotz normaler Myokardszintigrafie innerhalb der nächsten zwölf Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden, jährlich nur 1,2 Prozent.
„Die Stärke der kardiologischen Nukleardiagnostik liegt unter anderem in dieser Prognosesicherheit", sagt der BDN-Vorsitzende Moka. Ihre Aussagekraft sei höher als die einer Computer- oder Magnetresonanztomografie des Herzens. „Myokardszintigrafien sind bei Planung und Kontrolle der KHK-Therapie unverzichtbar", so Moka. Die Untersuchung versetze Ärzte in die Lage, zu erkennen, ob besser Lebensstiländerung, Herzmedikamente, eine Gefäßerweiterung oder Bypass-Operation als Therapie angezeigt sind.
Die Myokardszintigrafie ist eine Kassenleistung. Ihre Strahlenbelastung entspricht einer CT-Untersuchung des Oberkörpers. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper nach wenigen Stunden mit dem Urin und Stuhl wieder aus.
Quelle: Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
