30.09.2014
Zöliakie ist ein Chamäleon der Inneren Medizin
Das Beschwerdebild bei Zöliakie kann sehr unterschiedlich sein, was ein Erkennen der Erkrankung erschwert. Eine neue Leitlinie soll die Diagnose und Behandlung künftig verbessern.
Schätzungsweise einer von 300 Deutschen hat Zöliakie - mitunter ohne davon zu wissen. Denn bei vielen Menschen verursacht die angeborene Autoimmunerkrankung keine Symptome. Bei anderen wiederum sind die Anzeichen derart beschaffen, dass Ärzte und Betroffene eine Zöliakie lange gar nicht in Betracht ziehen. Denn das „Chamäleon der Inneren Medizin" äußert sich sehr unterschiedlich.
Zöliakie ist eine angeborene Autoimmunerkrankung bei der es - ausgelöst durch das Klebeeiweiß Gluten in Getreideprodukten - zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut kommt. „Klassische Symptome einer Zöliakie sind Bauchbeschwerden, allgemeine Verdauungsstörungen oder Durchfall", sagt Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Jena. „Aber auch Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Depressionen, Mangelerscheinungen, Kopfschmerzen, unklare leichte Leberwerterhöhungen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen können auf sie hinweisen. Mitunter sind sie einziger Indikator, werden aber oft nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht."
Eine neue Leitlinie „Zöliakie", die kürzlich auf dem Kongress Viszeralmedizin 2014 vorgestellt wurde, soll fortan die Diagnostik und Behandlung der Erkrankung verbessern und auch die teilweise weit verbreiteten Fehlannahmen, die erfahrungsgemäß über die Erkrankung bestehen, aus der Welt räumen. Dazu gehöre etwa die Einschätzung, Zöliakie sei vorwiegend eine Erkrankung des Kindesalters, die sich in der Pubertät auswachse. „Tatsächlich sind zum Zeitpunkt der Diagnose Frauen im Mittel zwischen 40 und 45 Jahre alt, bei Männern gibt es zwei Altersgipfel - zwischen 10 und 15 und zwischen 35 und 40 Jahren."
Zöliakie sei zudem eine lebenslange Erkrankung. Einmal diagnostiziert, sollten Betroffene ihr ein Leben lang eine möglichst glutenfreie Ernährung entegensetzen . „Entgegen häufiger Annahmen ist eine glutenfreie Ernährung auch dann empfohlen, wenn eine nachgewiesene Zöliakie keine offensichtlichen Symptome verursacht und Gluten vermeintlich gut vertragen wird", so der Experte. Weil eine unbehandelte Zöliakie meist mit einem Mangel an Vitaminen, Spurenelementen sowie mit Blutarmut einhergeht, kann sie sich bei Kindern negativ auf das Wachstum und die Knochenqualität auswirken. Bei Erwachsenen erhöhe eine unentdeckte oder unbehandelte Zöliakie das Risiko für Komplikationen - etwa für die Entwicklung weiterer Autoimmunerkrankungen, in seltenen Fällen sogar für Lymphome des Dünndarms.
Um eine Zöliakie nachzuweisen, untersuchen Mediziner das Blut auf die in der Regel erhöhten Autoantikörper gegen das Enzym Gewebetransglutaminase. Wenn die Patienten sich bis zuletzt glutenhaltig ernährt haben, können die Ärzte damit die Erkrankung in der Regel von ähnlichen Leiden wie der Weizenallergie oder einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität unterscheiden. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, helfen genetische Risikomarker im Blut, die Zöliakie zu diagnostizieren. Den Verdacht bestätigt dann eine Untersuchung von Gewebeproben aus dem Dünndarm.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
